• 12. Januar 2021

Wie sieht die Controlling-Organisation der Zukunft aus? – Ein Interview mit Henning Hundt

Wie sieht die Controlling-Organisation der Zukunft aus? – Ein Interview mit Henning Hundt

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Der Einsatz moderner Informationstechnologien, die Digitalisierung und die Volatilität des wirtschaftlichen Umfelds stellt Finance-Verantwortliche aktuell vor große Herausforderungen. Wie muss die Controlling-Organisation der Zukunft aussehen? Was beschäftigt Controller in Mittelstand und Konzern derzeit am dringlichsten? Wir haben Finance-Verantwortliche aus unseren Benchmarking Circles zu diesen Themen befragt.

Heute im Interview: Henning Hundt, Director Finance der Edel SE & Co. KGaA, einem führenden unabhängigen Medienkonzern.

 

Herr Hundt, was ist derzeit Ihre dringlichste Frage zur Controlling-Organisation?

Henning Hundt: Als familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen befinden wir uns gerade in der digitalen Transformation. Mich beschäftigt derzeit, wie ich mein Team auf- und umstellen muss, um den daraus resultierenden Anforderungen gerecht zu werden. Wie können wir die digitale Transformation mit geringem Aufwand und wenigen Ressourcen gut bewältigen? Und wie kann das geschehen, ohne das Tagesgeschäft zu vernachlässigen?

Welche Ideen und Impulse haben Sie aus dem Benchmarking Circle zur Controlling-Organisation der Zukunft mitgenommen?

Henning Hundt: Ich konnte viele interessante Insights mitnehmen und habe eine bessere Idee dafür bekommen, wie lange es tatsächlich dauert, das „Tal der Tränen“ auf dem Weg zur digitalen Organisation zu durchschreiten. Dass der wichtigste Hebel, wenn wir Digitalisierung und Automatisierung in unserer Organisation angehen wollen, zunächst die Standardisierung und Harmonisierung der Daten und Prozesse ist, war für mich die bedeutendste Erkenntnis. Von anderen Unternehmen zu hören, die den Prozess bereits durchlaufen haben, dass eine Standardisierung in der Prozesswelt zunächst nicht unbedingt dazu führt, dass man schneller oder effizienter wird und dass diese Standardisierung auch intern zu Widerständen führen kann, war für mich ebenfalls eine hilfreiche Einsicht.

Mit welchem Mindset müssen Controller/CFO Ihrer Meinung nach den Veränderungsprozess angehen?

Henning Hundt: Zum einen halte ich es für entscheidend, dass ich als Führungskraft weiterhin offen und flexibel bin, damit ich auf die Bedürfnisse meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen kann. Zum anderen gilt es für uns Controller in Zukunft noch viel mehr, sich geschickt im Spannungsfeld der verschiedenen Rollen zu bewegen. Wir müssen als Businesspartner und Professional Partner des Managements fungieren, entscheidungsrelevante Informationen bereitstellen und wirtschaftliche Entwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten aktiv aufzeigen. Auf der anderen Seite dürfen wir aber nicht unsere Unabhängigkeit in unserer Rolle als Hüter über Ergebnis, finanzielle Stabilität und Compliance verlieren. Das setzt Flexibilität voraus.

Fühlen Sie sich persönlich gut vorbereitet auf die Veränderungen? Und was trägt die Mitarbeit im Facharbeitskreis von C4B dazu bei?

Henning Hundt: Der Input durch Fachvorträge und der Austausch mit Finance-Verantwortlichen der anderen Unternehmen regt dazu an, dass ich meine eigenen Positionen und auch meine Rolle hinterfrage. Der Arbeitsalltag meiner Controller-Kolleg*innen und mir ist geprägt von Ad hoc-Aufgaben, vielen dringenden Projekten, die es zu erledigen gilt – und ellenlange To-do-Listen. Für den übergeordneten Blick – was macht man, warum macht man es so, was wäre sinnvoll – ist im Arbeitsalltag meist wenig Raum. Der Austausch im Benchmarking Circle erlaubt es mir eine andere Perspektive auf Themen einzunehmen und bietet mir immer wieder Ideen und Impulse für meine eigene Arbeit.

 

Über Henning Hundt
Henning Hundt ist Director Finance der Edel SE & Co. KGaA, einem der führenden unabhängigen Medienkonzerne Europas. 1.030 Mitarbeiter*innen arbeiten in Vermarktung, Fertigung, Distribution und Vertrieb von Musik, Filmen und Büchern, das Unternehmen erzielte 2018/19 einen Umsatz von 209 Millionen Euro. Henning ist seit 2014 bei Edel tätig, hat zuvor für die RTL Nord GmbH gearbeitet und ist seit 2016 Mitglied im C4B Benchmarking Circle für mittelständische Unternehmen.

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