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Interview

„Wir machen die Zukunft planbar“ – ein Interview mit Khai Tran 960 355 C4B

„Wir machen die Zukunft planbar“ – ein Interview mit Khai Tran

„Wir machen die Zukunft planbar“ – Die Unternehmenssteuerung zukunftsfähig aufstellen

Interview mit Khai Tran, CEO der Valsight GmbH

Ohne belastbares Zahlenwerk lassen sich Unternehmen nur schwer steuern. Wie können Controller und Finance-Verantwortliche in einem schnelllebigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld trotzdem zuverlässige Planungen und Prognosen aufbauen? Wie sich flexibel und transparent Szenarien für unterschiedliche KPIs simulieren und damit die Unternehmenssteuerung zukunftsfähig aufgestellt werden kann, verrät Khai Tran, Mitgründer und CEO der Valsight GmbH, im Interview mit dem C4B Blog.

 

Herr Tran, wie wichtig ist es, dass sich die Unternehmenssteuerung an die Veränderungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt, anpasst?

Aus den Gesprächen mit Kunden und Partnern wissen wir: Die Finanzfunktionen sämtlicher Unternehmen sind gefordert, sich an die Gegenwart anzupassen. Die digitale Transformation ist dafür sicherlich ein wesentlicher Einflussfaktor, jedoch nicht der Einzige. Unternehmen werden diversifizierter, komplexer. Das politische und wirtschaftliche Umfeld ist schnelllebiger geworden und damit weniger „planbar“. Nehmen Sie das Beispiel BREXIT, darüber sprechen wir seit zwei Jahren, zuletzt ging es wieder fast täglich hin und her. Wenn Sie in solchen Zeiten trotzdem ein belastbares Zahlenwerk haben wollen, um unternehmerische Entscheidungen zu treffen, müssen Sie im Controlling flexibler und schneller werden. Das heißt dann aber auch: Sie können Planung und Prognose nicht mehr so angehen, wie es vor fünf Jahren vielleicht noch sinnvoll war.

 

Unternehmen und Konzerne unterschiedlicher Branchen vertrauen auf Valsight. Bitte erklären Sie kurz, was die Valsight Plattform ist.

Im Prinzip haben wir die Ideallösung für das eben beschriebene Horrorszenario (lacht). Im Kern lassen sich mit unserer Software flexibel und transparent Szenarien für unterschiedliche KPIs simulieren. Und das in Echtzeit. Was bedeutet das? Nehmen wir an, Sie möchten wissen, wie sich C4B in der Zukunft entwickelt, wie sich beispielsweise Umsatz und Ergebnis verändern, wenn Sie bestimmte Prämissen treffen. Aus der Vergangenheit wissen Sie, wie viel Geld Sie ins Marketing stecken müssen, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Jetzt haben Sie mit dem Finance Lab und den Manuals gerade neue Produkte herausgebracht. Mit Valsight können Sie simulieren, was es für Ihren Umsatz bedeutet, wenn Sie für diese Produkte höhere „Conversion Rates“ annehmen, ihr Marketing also effektiver wird. Und ob es sich lohnen könnte, aus diesem Grund mehr Werbung zu schalten. Und das pro Marketingkanal, Postleitzahlengebiet, Branche usw.

 

Welche Anwendungsfälle umfasst Ihre Lösung?

Valsight lässt sich in unterschiedlichen Prozessen einsetzen, in denen entscheidungsrelevante, zukunftsbezogene Daten erstellt werden. Am häufigsten sehen wir den Einsatz in der Mehrjahresplanung. Hier spielen unsere Treibermodelle und die einfache Möglichkeit, mit strategischen Maßnahmen zu planen, eine entscheidende Rolle. Wir sehen zudem immer häufiger, dass es nicht bei einem Prozess bleibt. Ein nächster Schritt ist oft die Umsetzung des Target Settings für die operative Planung oder des monatlichen oder quartalsweisen Forecast. Einige unserer Kunden betrachten es mittlerweile fast als eine Art Sport, neue Anwendungsfälle in Valsight umzusetzen. Das geht dann stärker in unterschiedliche Simulationsmöglichkeiten, von M&A-Vorhaben über Investitionsrechnungen bis hin zur Berechnung des Kosteneffekts von Tarifverhandlungen. Gemeinsam mit C4B setzen wir gerade ein treiberbasiertes Simulationsmodell für Betriebskantinen auf. Der Phantasie sind glücklicherweise hier keine Grenzen gesetzt.

 

Worin sehen Sie den größten Nutzen für den Kunden?

Prozessverbesserungen, wie die Einführung treiberbasierter und maßnahmenorientierter Planung, sind meist mit Effizienzzielen verbunden. Hier sehen wir in allen Projekten eine deutliche Reduzierung des Aufwands und der Dauer der Planung. Hinzu kommt eine erhöhte Transparenz des Zahlenwerks, also der Nachvollziehbarkeit der Planzahlen bis herunter in die einzelne Planungsprämisse. Das wird beispielsweise bei der Siemens Digital Factory als wesentlicher Erfolgsfaktor wahrgenommen. Persönlich finde ich auch das Fazit eines unserer Kunden sehr passend: Er sehe den Wert der Planung darin, die richtigen Diskussionen zu führen, daraus in Echtzeit belastbare Zahlen abzuleiten und darauf basierend die richtigen unternehmerischen Entscheidungen zu treffen. Dazu wird Valsight tatsächlich „live“ in Management-Meetings genutzt, um Prämissen anzupassen und sofort die aktualisierten Planzahlen analysieren zu können.

 

Welche Dienstleistungen bieten Sie im Rahmen der Implementierung an und welche Zeitspanne umfasst diese im Durchschnitt?

Wir unterstützen unsere Kunden selbstverständlich bei der Umsetzung, beim Customizing unserer Software. Dabei sehen wir uns häufig als Sparringspartner für die Fachabteilung und bringen Best Practice-Erfahrung aus einer Vielzahl von Projekten mit ein. Wir arbeiten zudem mit namhaften Unternehmensberatungen zusammen, insbesondere bei Projekten, die in größere Transformationsvorhaben eingebettet sind. Hier haben Partner wie Boston Consulting Group, CTcon und PwC weitaus umfassendere Möglichkeiten, unsere Kunden auf deren Weg zu begleiten. Trotz alledem: Ein wesentlicher Vorteil von Valsight ist, dass die Software praktisch von der Fachabteilung selbst implementiert werden kann. Wir haben von Anfang an, von der Modellerstellung bis hin zur Visualisierung von Ergebnissen, konsequent auf Einfachheit und intuitive Nutzbarkeit gesetzt. Sie müssen kein Informatiker sein, um Valsight zum Laufen zu bringen, und die Projekte dauern nicht so lange, wie Sie vielleicht denken. Mein Lieblingsbeispiel sind hier die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) – die dortige Controllingabteilung hat etwa eineinhalb Monate für die Umsetzung und insgesamt drei Schulungs- und Coachingtage von unseren Consultants benötigt. Die LVB sind, wie Sie wissen, auch Mitglied der C4B-Circle –  und Controlling-Leiter Uwe Pohlers ist so begeistert von Valsight, dass er auf der letztjährigen Planungsfachkonferenz von Horváth & Partners über das Projekt berichtet hat.

 

Welche Vision verfolgen Sie bei Valsight?

Wir wollen auch in Zukunft unternehmerische Entscheidungen mit fundierten Informationen unterstützen. Unser Fokus bleibt dabei auf der sinnvollen Kombination fachlicher Best Practices mit neuesten Technologien,die uns heute zur Verfügung stehen. Konkret heißt das: Mit unseren Lösungen werden sich die Prozesse der Unternehmenssteuerung weiter automatisieren lassen. Wir beschäftigen uns derzeit beispielsweise mit statistischen Methoden. Warum sollte eine Software nicht Vorschläge über relevante Werttreiber und deren Zusammenhänge zu finanziellen KPIs erstellen? Sehr spannend sind auch die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, bzw. von Machine Learning. Bezogen auf die Planung wäre ein Szenario, dass die Unternehmensleitung ein Umsatz- und ein Rentabilitätsziel vorgibt – und die Software geeignete Maßnahmen vorschlägt. Technisch ist das alles möglich, und es liegen noch sehr spannende Aufgaben vor uns.

 

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Über Khai Tran

Khai Tran ist Geschäftsführer bei der von ihm mitgegründeten Valsight GmbH mit Sitz in Berlin. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt in den Bereichen Unternehmenssteuerung und Enterprise Software. Vor Valsight war er in der Beratung tätig, zuletzt als Senior Manager bei The Hackett Group. www.valsight.com

„Nachhaltigkeitsmanagement ist auch Risikomanagement“ 1024 680 C4B

„Nachhaltigkeitsmanagement ist auch Risikomanagement“

Warum Nachhaltigkeitsmanagement auch für den Mittelstand wichtig ist und weshalb die Lieferkette die Achillesferse sein kann, erklärt Joachim Schlange im Interview mit dem C4B Blog.

 

Herr Schlange, Sie sagen die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist für Unternehmen in den vergangenen deutlich stark gewachsen. Woran machen Sie das fest?
Das spiegelt sich allen Unternehmensbereichen wider: in den Kunden- und Lieferantenbeziehungen, im Rahmen der Gesetzgebung und insbesondere am Kapitalmarkt. Zu diesem Ergebnis kamen wir auch in unserer Studie, die wir Ende 2018 gemeinsam mit dem DIRK, dem Deutschen Investor Relations Verband und der DVFA, der Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management,gemacht haben. Sowohl Investor-Relations-Manager als auch Investoren vertreten einhellig die Ansicht, dass Nachhaltigkeit zu einer erkennbaren Wertsteigerung führt, die operative Effizienz erhöht und zu einer Reduzierung der Finanzierungskosten beitragen kann. Und nicht nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen, auch für den Mittelstand gilt: Nachhaltigkeit ist ein Imagefaktor. Verantwortlich und engagiert zieht bei Verbrauchern und Stakeholdern genauso wie bei potenziellen Bewerbern.

Die von Ihnen erwähnte Gesetzgebung betrifft doch aber nur kapitalmarktorientierte Unternehmen?
Ja, seit dem Geschäftsjahr 2017 sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem bestimmten Umsatz- bzw. Bilanzsumme verpflichtet, in ihrem Geschäftsbericht auf ihre Nachhaltigkeitsbemühungen einzugehen. Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) fordert die Offenlegung von Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, so zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Doch auch der Mittelstand ist mittelbar betroffen.

Was bedeutet das konkret?
Konkret bedeutet das beispielsweise, Lieferketten offenzulegen und Auswirkungen der Produktion auf Arbeiter und Umwelt darzulegen. Zwar sind damit vor allem Großunternehmen betroffen, aber die aktuell voranschreitenden gesetzlichen Verschärfungen haben durchaus auch eine Ausstrahlwirkung auf den Mittelstand. Schließlich sind mittelständische Unternehmen oftmals Zulieferer von Großkonzernen, die von ihren Partnerunternehmen eine Ausweitung der CSR-Informationen verlangen können. Nachweise und Daten rund um die CSR-Aktivitäten der Lieferanten werden häufig schon bei der Ausschreibung verlangt. Unternehmen ohne CSR-Berichterstattung sind damit automatisch schlechter gestellt gegenüber Konkurrenten, die ihr Nachhaltigkeitsmanagement bereits transparent machen. Hinzu kommt der NAP, der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, der Ende Dezember 2016 verabschiedet wurde. Er ist zwar noch keine gesetzliche Pflicht. Aber ob gesetzlich verpflichtend oder nicht, alle Experten sind sich einig, dass der NAP mittelfristig dazu führen wird, dass die spezifischen Anforderungen entlang der Lieferkette zunehmen werden.

Was genau ist im NAP festgelegt?
Der NAP hat die Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte zum Ziel. Er setzt die Zielvorgabe, dass im Jahr 2020 mindestens die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Beschäftigten die Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht in ihre Unternehmensprozesse integriert hat. Das sind insgesamt rund 7.000 Unternehmen. Bis dahin wird in drei Erhebungsphasen überprüft, ob und in welchem Rahmen Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Ab 2020 entscheidet die Bundesregierung auf dieser Grundlage, ob der NAP in ein verbindliches Gesetz überführt wird.

Scheuen mittelständische Unternehmen Ihrer Erfahrung nach den Aufwand, sich mit dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung zu befassen?
Viele Unternehmen engagieren sich bereits und es gibt durchaus auch qualitative Nachhaltigkeits-Berichterstattung. Aber die Zeiten, in denen es ausreichte, rein über das „was“ zu berichten, sind längst vorbei. Es geht um das „wie“ – und da empfinde ich den Mittelstand noch als eher verhalten. Unternehmen sollten die Nachhaltigkeitsberichterstattung als Chance begreifen. Abgesehen von den zahlreichen Vorteilen, die sich durch CSR langfristig erschließen lassen, wie zum Beispiel die Erhöhung der Mitarbeitermotivation, Anwerben neuer Talente, Kosteneinsparungen, Ausbau des Kundenstamms etc., kann die Missachtung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit personellen und produktionsnotwendigen Ressourcen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen langfristig schädigen und ihre Marktposition schwächen. Mit einer ausgereiften Nachhaltigkeitsstrategie lassen sich zahlreiche Nutzenwerte erschließen, die langfristig die Ausgaben für Nachhaltigkeitsbemühungen übersteigen werden.

Sie haben ja bereits die Studie erwähnt, die gemacht haben. Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Studie gewinnen?
Unsere Befragung gemeinsam mit dem DIRK und der DVFA, die wir im September 2018 unter Investor Relations Managern, institutionellen Anlegern und ESG-Ratingagenturen in Deutschland durchgeführt haben, hatte zum Ziel, die Bedeutung des Nachhaltigkeitsthemas aus Sicht von Unternehmen und Anlegern in Erfahrung zu bringen. Auch die Qualität und der Nutzen von ESG-Ratingagenturen beziehungsweise ihren Ergebnissen wurde erhoben. Eine zentrale Erkenntnis aus unserer Untersuchung ist, dass angesichts der zunehmenden Bedeutung von ESG in den Kapitalmärkten die Empfehlung an Unternehmen nur sein kann, sich deutlich stärker in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit zu engagieren. Dies gilt nicht nur für die Unternehmensausrichtung, sondern auch für eine transparente und detaillierte Kommunikation.

Worauf sollten Unternehmen in der CSR-Berichterstattung achten?
Mit einem möglichst schlanken Bericht, der die Steuerung der wesentlichen Themen beschreibt, können Fragen der Kunden und anderer wichtiger Stakeholder zu relevanten Nachhaltigkeitsthemen zentral beantworten werden. Der Bericht muss transparent und belastbar sein, die für die Industrie und das Unternehmen wesentlichen Themen aufzeigen und kritische KPIs überprüfbar darstellen. Wenn das gut gemacht ist, dann haben Unternehmen nur Vorteile davon. So können auch Fortschritte bei der Produktqualität, der Verminderung von CO2-Emissionen, der Mitarbeiterzufriedenheit oder der Einhaltung von Standards in Lieferketten beschrieben werden. Für das Management hat der Bericht auch Vorteile, denn es kann so einen besseren Überblick über die Unternehmensleistung und die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit gewinnen. Die Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitsthemen, das heißt das Ableiten von Handlungsbedarf, Zielen und Maßnahmen, sowie deren systematische Steuerung tragen letztlich dazu bei, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Ich bin davon überzeugt: Nachhaltigkeit wird immer stärker zum Wettbewerbsfaktor und die glaubwürdige Berichterstattung über die Nachhaltigkeits-Strategie und -Leistung bietet Unternehmen Chancen im Wettstreit um neue Mitarbeiter, Investoren, Lieferanten und nicht zuletzt die Kunden.
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Über Joachim Schlange

Joachim Schlange ist Mitgründer und Sprecher der Geschäftsleitung von Schlange & Co. GmbH sowie Präsident von S&C North America Inc. S&C begleitet Unternehmen bei der strategischen und organisatorischen Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und CR sowie bei der operativen Umsetzung. Das Leistungsspektrum reicht von der Verankerung von Nachhaltigkeit in der Lieferkette, über die fachgerechte Kennzahlendefinition und die glaubwürdige Berichterstattung bis hin zur Auswahl und Implementierung von CR-Software sowie Schulungen. S&C arbeitet im Auftrag von multinationalen Konzernen und mittelständischen Unternehmen unterschiedlichster Branchen, aber auch für staatliche und Non-Profit Organisationen aus dem In- und Ausland. https://www.schlange-co.com/

„Ich bin ein Zahlenmensch“ – Ein Interview mit Denis Glowicki 960 640 C4B

„Ich bin ein Zahlenmensch“ – Ein Interview mit Denis Glowicki

Er ist immer in Bewegung – beruflich wie privat. Der leidenschaftliche Zahlenmensch Denis Glowicki findet als Leiter Finanzen bei der Wicke GmbH + Co. KG die beruflichen Herausforderungen, die er immer gesucht hat. Privat fordert sich der Familienvater beim Crossbike-Fahren.

Sein Tag dürfte einfach ein paar Stunden mehr haben. Denis Glowicki hat einen prall gefüllten Arbeitstag, zusätzlich engagiert sich der Familienvater als Experte bei Finance-Projekten und absolviert überdies noch anspruchsvolle Radtouren mit seinem Crossbike. Dinge in Bewegung zu bringen – das motiviert Denis Glowicki. Wie passend, dass der Manager für ein Unternehmen tätig ist, dass ebenfalls für Bewegung sorgt. Die Wicke GmbH + Co. KG aus Sprockhövel im südlichen Ruhrgebiet ist einer der weltweit führenden Hersteller industrieller Räder und Rollen. Der 44-Jährige, der seit Januar 2019 Mitglied der Geschäftsleitung des mittelständischen Unternehmens ist, liebt seine anspruchsvolle Aufgabe. „Wir haben Produkte zum Anfassen. Wenn ich das anfassen kann, für das ich arbeite, dann weiß ich auch, wofür ich mich engagiere“, sagt er. Glowicki geht gern in die Produktion von Wicke, dort wo geschweißt und geschmiedet, gespritzt und gegossen wird. Regelmäßig nimmt er Einblick in die Produktion, denn konventionelles Drehen hat er während seiner Schulzeit auch mal gelernt. Dabei sind es eigentlich die Zahlen, die ihn schon seit seiner Jugend faszinieren.

Zahlen wurden ihm in die Wiege gelegt
Schon als Schüler ist Denis Glowicki klar, dass er einmal mit Zahlen arbeiten möchte. Die Affinität dafür wird ihm bereits in die Wiege gelegt, seine Mutter ist Bankkauffrau. „Ich bin einfach ein Zahlenmensch. Zunächst habe ich überlegt, eine Ausbildung zum Statiker zu machen, doch dann wurde es der Finanzbereich“, sagt Glowicki. Er beginnt ein Fachhochschulstudium im Finanzamt im Bereich Bilanzierung und Steuerrecht und arbeitet als Prüfer im Außendienst. Doch das reicht ihm nicht. Gerade die Beamtenurkunde in der Hand, wechselt er mit 27 Jahren kurzerhand in eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Wuppertal. Zu diesem Zeitpunkt ist Glowicki der jüngste Steuerberater Nordrhein-Westfalens. Die neue Aufgabe bietet ihm ganz andere Perspektiven auf Bilanzen und Steuern. „Vor allem musste ich die reine Prüfersicht ablegen und wirtschaftlich denken“, sagt der Manager.

Angekommen im Wunschberuf
Die abwechslungsreiche Tätigkeit in der Beratung liegt ihm, er schätzt vor allem die Erfahrungen, die er mit den Mandaten sammelt. Für sechs Jahre lebt er vor allem aus dem Koffer. Doch das unruhige Leben wird ihm irgendwann zu viel. Denis Glowicki und seine Frau erwarten ein Baby. „Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und auch gerne internationaler arbeiten.“ Kurz vor dem Wechsel in ein internationales Medienunternehmen wird er auf die Aufgabe bei Wicke aufmerksam. Das Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern am Hauptsitz in Sprockhövel unterhält weitere Fertigungsstätten in der Tschechischen Republik und der Volksrepublik China. Zudem gibt es weltweit operative Service-, Montage- und Distributionszentren. Bei seinem Wechsel als Leiter Finanzen, Rechnungswesen und Steuern in das Unternehmen ist Denis Glowicki 34 Jahre alt. In seinen mehr als zehn Jahren Unternehmenszugehörigkeit übernimmt er für eine Zeit lang auch die HR-Abteilung. Seit Januar 2019 ist Glowicki Mitglied der Geschäftsleitung, seine Aufgabe konzentriert sich auf den Bereich Group-Controlling und -reporting. 2012 führt er bei Wicke ein BI-Tool ein, um wiederkehrende Aufgaben und Auswertungen damit zu automatisieren. Die meisten Skripte und Dashboards erstellt er nach wie vor selbst. „Der Umsatz unseres Unternehmens hat sich seit meinem Einstieg vor zehn Jahren verdreifacht. Dazu mussten auch die Strukturen mitwachsen – und diesen Prozess zu begleiten erfüllt mich sehr“, sagt Glowicki.

Keine Angst vor Fehlern
„Fast jeden Tag stehe ich vor neuen Herausforderungen, das treibt mich an. Man lernt nie aus und darf keine Angst vor Fehlern haben“, sagt der Manager. Das Finanzwesen kennt Denis Glowicki aus unterschiedlichen Perspektiven. Bei Wicke ist der Manager beruflich angekommen, wie er selbst sagt. Das Thema Prozesse findet er besonders spannend und engagiert sich deshalb auch als Experte bei den C4B Manuals, einer Arbeitshilfe für eine schematische Prozessdokumentation. Sie ermöglicht Unternehmen, ihre IST-Prozesse mit den vorgelegten Musterprozessen zu vergleichen und einfach auf die Situation im Unternehmen zu übertragen. „Im Finance-Bereich liegen noch unheimlich große Einsparpotenziale, das können auch gerne einmal bis zu 95 Prozent sein“, sagt Denis Glowicki. „Doch viele Unternehmen haben diese noch nicht gehoben. Vielfach, so meine Einschätzung, weil sie gar nicht wissen, wie sie es anfangen sollen“, so der Finance-Manager. „Es geht schon damit los, dass die Begriffe Digitalisierung und Automatisierung in einen Topf geworfen werden. Aber da gibt es einen großen Unterschied, denn: Nur das, was digitalisiert ist, kann auch automatisiert werden. Beispielsweise können nur digital erfasste Belege automatisiert bearbeitet werden“, erklärt Glowicki. Er ergänzt: „Die meisten Unternehmen werden es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, Mitarbeiter als ‘humanoide Datentransporteure’ oder ‘Analog-Digital-Datenumwandler’ zu beschäftigen. Das ist für mich der Kernpunkt der Automatisierung im administrativen Unternehmensbereich.” Um sich in Richtung Digitalisierung aufmachen zu können, sei es aber zunächst erforderlich, dass man als Unternehmen seine Prozesse kennt – und sie sauber dokumentiert. „Um das Thema Prozess- beziehungsweise Verfahrensdokumentation kommen Unternehmen aufgrund der GoBD sowieso nicht herum“, sagt Glowicki. Um Schnittstellen zu programmieren, müsse man wissen, woher die Daten kommen, was mit ihnen gemacht wird und wofür die Daten verwendet werden. „Bei uns im Unternehmen kommen die meisten Verbesserungsvorschläge von den Auszubildenden, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Sie durchlaufen einmal alle Abteilungen im Unternehmen und lernen dadurch die Schnittstellen zwischen den Abteilungen kennen. Nur wenn man diese Schnittstellen kennt, kann man auch etwas verbessern.“

„Ich kann nur einfach“ – ein Interview mit Werner Brinkkötter 1024 660 C4B

„Ich kann nur einfach“ – ein Interview mit Werner Brinkkötter

Eigentlich wollte er ja Rennfahrer werden. Als Head of Accounting bei der August Storck KG ist Werner Brinkkötter nun scheinbar weit entfernt von diesem Berufswunsch aus Kindertagen.Wer den umtriebigen Manager kennenlernt, bemerkt jedoch schnell, dass die berufliche Laufbahn des Finance-Managers durchaus einige Gemeinsamkeiten mit dem Rennsport aufweist.

Stehenbleiben kam für Werner Brinkkötter nie in Frage. Wenn er im Mai 2019 in den Ruhestand geht, blickt er auf 38 Jahre bei der August Storck KG, einem der zehn größten Süßwarenhersteller der Welt, zurück. Es waren bewegte Jahre. In seiner Funktion als Head of Accounting steuert Brinkkötter heute die zentral organisierte Buchhaltung des Unternehmens mit seinen über 30 weltweit tätigen Tochtergesellschaften. 38 Jahre, in denen der gebürtige Niedersachse viel bewegt hat und den Finance-Bereich des Unternehmens erfolgreich ins digitale Zeitalter führte.

„Mach das, woran Du Spaß hast“
Dabei waren Finanzen nicht einmal seine erste Liebe, es dauerte noch ein wenig, bis er die Leidenschaft dafür entdeckte. Seine Ausbildung absolviert Werner Brinkkötter beim Verbrauchsgüter-Konzern Unilever und arbeitet dort zehn Jahre im Vertrieb. Nach einer weiteren Station, diesmal in der Vertriebsplanung und -steuerung für ein Unternehmen der Fleischwarenindustrie, fängt Brinkkötter 1981 schließlich bei der August Storck KG in Halle in Westfalen an. Das Unternehmen, das bis heute in Familienbesitz ist, startete 1903 als Bonbonfabrikant. Mittlerweile gehört Storck zu den zehn größten Süßwarenherstellern der Welt – mit bekannten Marken wie Toffifee, Merci, Werthers oder Nimm2. Über 100 Länder weltweit werden mit den Marken und Produkten beliefert, mehr als 6.000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen. Getragen wird Werner Brinkkötter von einem, wie er selbst sagt, einfachen Motto: „Mach das, woran Du Spaß hast. Du musst Spaß an der Aufgabe haben, der Rest kommt dann von allein.“ Dass das funktioniert, zeigt sein beruflicher Werdegang.

Steckenpferd Digitalisierung
Brinkkötter beginnt zunächst im Controlling von Storck, zehn Jahre lang ist er mit Kalkulationsaufgaben befasst. Anfang der 90er Jahre wechselt der heute 65-Jährige in den Bereich Finanzen und Buchhaltung. Er macht noch einen Abschluss zum Bilanzbuchhalter, vom Vice-Head wurde er zum Head of Accounting beim dem weltweit tätigen Zucker- und Süßwarenspezialisten. Stillstand scheint ein Fremdwort für Werner Brinkkötter zu sein. Er hat Visionen für das Unternehmen – und treibt diese energisch voran. „Den Weg in die Digitalisierung zu gehen, das war mein Steckenpferd“, sagt Brinkkötter. „Es begann damit, erst einmal das Papier abzuschaffen, Belege einzuscannen und digital aufzubewahren.“ Als die Technik Ende der 90iger Jahre soweit ist, beginnt der Manager in engem Zusammenschluss mit der IT des Unternehmens damit, die Tochtergesellschaften anzubinden. „Die Zentralisierung der Buchhaltung und des Treasury macht aber nur Sinn, wenn man sie auch in Prozessen begleitet. Deshalb habe ich die Geschäftsprozessoptimierung unter den Aspekten Digitalisierung und Compliance dann beim Invoicing, beim Banking, beim Creditmanagement und allen weiteren Facetten immer weiter nach vorne getrieben.“ Mit umfassenden Maßnahmen zur Integration und Automatisierung führt der Manager Storck in das digitale Zeitalter und stößt einen tiefgreifenden Wandel des Finanzbereichs bei dem Süßwarenhersteller an. Ob in Europa, Asien, Nordamerika oder Australien: Die Buchhaltung der Storck-Gesellschaften weltweit ist heute zentralisiert, es gibt kein Accounting in den Tochtergesellschaften mehr. Der Zahlungsverkehr des Unternehmens ist voll automatisiert und ebenfalls zentralisiert, und auch die Cashflow- und Finanzplanung hat Brinkkötter neu aufgestellt. Das Unternehmen profitiert heute von einer Transparenz sämtlicher Zahlungen, einem erheblichen und, wie Brinkkötter sagt, notwendigen Effizienzgewinn und einem deutlich reduzierten Risiko.

„Es hat gemenschelt“
Dieser Prozess, der Weg in die Digitalisierung, stieß nicht in allen Unternehmensbereichen sofort auf positive Zustimmung, drückt der Manager vorsichtig aus. „Es hat gewaltig gemenschelt“, erinnert sich Brinkkötter. „Das ist ein Kulturwandel, man muss auch auf die kulturellen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern Rücksicht nehmen.“ Es sei einiges an Überzeugungsarbeit notwendig gewesen. „Die überzeugenden Argumente waren letztlich die positiven Ertragsmomente und die Sicherheit.“ So konnten beispielsweise sechsstellige Bankgebühren auf vierstellige Summen reduziert werden. Geholfen hat in diesen Zeiten sicherlich, dass Werner Brinkkötter so gar nicht dem Klischee vom trockenen, eher schweigsamen Zahlenmenschen entspricht. Im Gespräch merkt man ihm an, dass er das gut kann – mit Menschen sprechen, überzeugen, ein Team motivieren. Er bleibt dabei ganz bescheiden. „Ich kann nur einfach“ sagt er. Das mag man kaum glauben, wenn man hört, welche Anstrengungen er unternommen hat, um Storck ins digitale Zeitalter zu führen. In der Finance-Welt hat er damit ein beachtliches Renommee erworben, 2017 wurde er sogar zum Treasurer des Jahres nominiert.

Geschäftsprozessoptimierung ist eine Leidenschaft
Das Thema Geschäftsprozessgestaltung ist eine besondere Leidenschaft von Werner Brinkkötter. „Man muss mit der Zeit gehen, darf sich Neuerungen nicht verschließen – und muss dann einfach Stück für Stück, Schritt für Schritt vorangehen“, beschreibt Brinkkötter seine Learnings aus der Zeit bei Storck. Unternehmen kommen heute ohne Prozessbeschreibungen nicht mehr aus. „Eine Prozessbeschreibung, eine Prozessdokumentation ist heute unverzichtbar, denn die Prozesse werden immer komplexer. Ob produziert wird, ob Maschinen gekauft werden, ob Ware das Lager verlässt, ob es die Mitarbeiter sind, die ihren Lohn bekommen – es gibt kaum einen Prozess im Unternehmen, in dem nicht die Buchhaltung die Finger im Spiel hat.“ In Zeiten der Digitalisierung müsse auch die Buchhaltung automatisiert und digitalisiert werden. Nicht zuletzt, weil auch durch die gesetzlichen Anforderungen Verfahrensdokumentationen vorgelegt werden müssen. „Ohne wirtschaftliche, sichere und effiziente Prozesse wird es auch in kleineren Unternehmen dauerhaft nicht funktionieren“, ist sich Brinkkötter sicher. Als Experte ist Werner Brinkkötter an der Entwicklung des C4B Manuals, einer Arbeitshilfe für eine schematische Prozessdokumentation beteiligt. Sie ermöglicht Unternehmen, Ihre IST-Prozesse mit den vorgelegten Musterprozessen zu vergleichen und einfach auf die Situation im Unternehmen zu übertragen. „Diese Vorlage hätte uns damals sehr geholfen, denn mit dem Manual kann man sich hohe Beratungshonorare sparen und stattdessen das Wissen der eigenen Mitarbeiter, Dienstleister und die Programmabläufe der eingesetzten Software selbst zusammentragen.“

Es deutet sich schon an, sein Ruhestand wird nicht wirklich ein Ruhestand. „Na ja, Rasen mähen wird mich sicher nicht ausfüllen.“ Allein als zweifacher Opa wird er schon gefordert, doch das Finance-Thema treibt ihn weiterhin um und sein Terminkalender ist schon jetzt prall gefüllt. Er ist als Experte an der Entwicklung der C4B Manuals beteiligt, zudem seit über 25 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Industriekaufleute in Halle/Gütersloh. Und er wird für zahlreiche Vorträge gebucht. Auch da ist sein Anspruch kein geringer. „Ich möchte immer so gut sein, dass ich das Buffet schlage.“ Wer einmal mit Werner Brinkkötter gesprochen hat weiß: Das gelingt ihm sicher.