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März 2015

Gastbeitrag von Erik Schröder, Leiter Rechnungswesen Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG, Iserlohn C4B

Gastbeitrag von Erik Schröder, Leiter Rechnungswesen Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG, Iserlohn

Versicherungsmanagement Do Erik Schröder

Erik Schröder, 45 Jahre, ist seit Januar 2009 Leiter International Accounting & Taxation in der Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG in Iserlohn. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium war Erik Schröder zehn Jahre lang in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young tätig. Nur sechs Monate nach dem Start seiner Tätigkeit bei Dornbracht wurde Erik Schröder mit dem Großbrand in dem Unternehmen konfrontiert. In seinem Gastbeitrag auf unserem Blog schildert er den Großschaden und die Learnings.

Großschaden bei Dornbracht
Wie schnell Gefahren von außen zu einer existenziellen Bedrohung für ein Unternehmen werden kann, zeigt der Großschaden, den wir bei der Firma Dornbracht im Jahr 2009 hatten. Als mittelständisches, international agierendes Familienunternehmen mit Sitz in Iserlohn hat Dornbracht mit seinen vielfach ausgezeichneten Produkten die Ausstattung, Architektur und Funktionsweisen im Bad- und Küchenbereich maßgeblich geprägt. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2009 kam es zu mehreren größeren Explosionen in einem unmittelbar neben dem Dornbracht-Firmengelände angesiedelten Chemie-Werk. Der Großbrand verwüstete neben dem Chemie-Werk auch zwei unserer angrenzenden Produktionshallen, darunter die Oberflächenveredelung mit der Galvanik und der Lackiererei sowie Teile einer Montagehalle und zweier Lager. Mit einer Schadenhöhe von über 140 Millionen Euro war der Schaden, den unser Unternehmen erlitten hat, der größte Versicherungsschaden in Deutschland im Jahr 2009.

Die größte Herausforderung nach dem Brandschaden bestand in dem Wiederanlauf der eingeschränkten Produktion bei gleichzeitigen Aufräum- und Sanierungsarbeiten und dem Wiederaufbau der zerstörten Gebäude und Betriebseinrichtungen.

Um Kunden und Partnern eine adäquate Verfügbarkeit gewährleisten zu können, konzentrierten wir uns zunächst auf ein definiertes Kernsortiment. Die Verfügbarkeit des kompletten Produktprogramms wurde erst 18 Monate nach dem Großschaden erreicht. Im Rahmen einer Interims-Organisation wurden unter der Leitung der Geschäftsführung mehrere Teams gebildet. Ein Sanierungsteam arbeitete mit mehr als 70 Spezialisten aus den Fachbereichen und unterstützt von Sanierungsunternehmen in Tag- und Nachtschichten an der schnellen Wiederherstellung der betroffenen Gebäudeteile und der betrieblichen Anlagen. In einem Team „Kommunikation und Innovation“ wurde der Informationsfluss in Richtung der Kunden und die Fortführung der Entwicklung von Marken- und Produktinnovationen sichergestellt. Die Mitarbeiter von Dornbracht haben nach und nach ihre Arbeit wieder in vollem Umfang aufnehmen können, Entlassungen gab es keine.

Der Schadensfall bei Dornbracht zeigt meiner Meinung nach sehr deutlich auf, wie wichtig die Identifikation und Bewertung von Risiken, das Entwickeln sachgerechter Versicherungslösungen sowie die Steuerung im Schadensfall für den Fortbestand eines Unternehmens ist.

„Es nimmt der Augenblick…” 150 150 C4B

„Es nimmt der Augenblick…”

Strategisches Versicherungsmanagement- Teil 1

„Es nimmt der Augenblick was Jahre geben”, schrieb Johann Wolfgang von Goethe vor bereits 180 Jahren so weise. An Schadensfällen in Unternehmen hat der Dichter dabei sicherlich nicht gedacht, aber auch sie trifft das Zitat sehr präzise: Eine Analyse von Schadensfällen geht davon aus, dass nur 23 Prozent der Unternehmen, die einen Großschaden erleiden, den Betrieb in der früheren Form wieder aufnehmen können. Mehr als ein Viertel der Unternehmen geht nach einem Großschaden in Konkurs. Grund genug, dass ich in einer kleinen Serie das Strategische Versicherungsmanagement ins Visier nehme. Ich stelle Ihnen Fragen der Risikoidentifikation und Bewertung vor, relevante Versicherungen, Tipps zu Verhalten im Schadensfall und zur Auswahl von Versicherern. Was ein Schaden tatsächlich für Konsequenzen hat und welche Learnings andere Betriebe daraus ziehen können, zeigt ein Großschadensereignis aus der Praxis.

Versicherungsmanagement Grafik

Bildquelle: Controllermagazin, Claus Pachurka, Technische Krisenprävention – Personen und Sachwerte proaktiv schützen, Bochum, 2008

Versicherungsmanagement – warum?

Eine Vielzahl von Risiken wie beispielsweise Feuer, Ausfall der öffentlichen Versorgung oder Naturgefahren, aber auch Personenrisiken wie Streik oder Vertrauensschäden gefährden Unternehmen. Und die Risiken nehmen immer mehr zu und werden deutlich komplexer. Als ergänzende Funktion der Unternehmensführung gewinnt deshalb das Versicherungsmanagement zunehmend an Bedeutung und sein Aufgabenumfang wächst.

Was bedeutet nun strategisches Versicherungsmanagement? Unternehmen sollen sich zielgerichtet mit der Identifikation sowie der Bewertung von Risiken befassen, um daraus gegebenenfalls Versicherungslösungen zu entwickeln und zu steuern, die diese Risiken erfassen. Im Rahmen eines professionellen Risikomanagements sollten Sie sich zunächst einen systematischen Überblick über die Unternehmensrisiken verschaffen:

  • Handelt es sich um Störungen oder Ausfälle, die zwar ärgerlich, aber verwindbar sind?
  • Was sind die existenzbedrohenden Risiken?
  • Welche Risiken sind überhaupt versicherbar, welche nicht?

Häufig genug habe ich in Unternehmen erlebt – und das belegen auch empirische Studien – dass Unternehmen bei existenzbedrohenden Risiken oft unterversichert sind beziehungsweise keine adäquaten Risikomanagementlösungen vorhalten, während sie bei nicht existenzbedrohenden Risiken möglicherweise überversichert sind. Das führt nicht nur zu regelmässig überhöhten Kosten für die Versicherungen, im Schadensfall kann die Unterversicherung sogar existenzbedrohend sein. Da sich einzelne Risiken und die gesamte Risikolage des Unternehmens ständig ändern, sollten Sie das Versicherungsprogramm regelmäßig auf Wirtschaftlichkeit und Gültigkeit überprüfen, idealerweise einmal jährlich.

  1. Risiken identifizieren und bewerten

Versicherungsmanagement beginnt mit der Bestandsaufnahme:

  • Welches sind in meinem Betrieb die größten Risiken?
  • Wie lassen sich diese minimieren?
  • Welche Risiken kann das Unternehmen selbst tragen, und für welche braucht es Versicherungsschutz?

Mögliche Risiken sind:

Innerbetriebliche Gefahren

  • Brände und Explosionen
  • Gefahrstoff-Freisetzung
  • Einsturzgefahr
  • Versorgungsausfall (Heizung, Energieversorgung, Kühlwasser…)
  • Störungen bei Maschinen / technischen Anlagen
  • Überschwemmung infolge technischer Defekte
  • Freisetzung radioaktiver Stoffe
  • Datenverlust, IT-Netzausfall

Gefahren von außen

  • Brände oder Explosionen in Nachbarschaft
  • Bergbau- und Deponiegelände
  • Verkehrs- und Medientrassen (Straße, Schiene, Ferngas- und Freileitungen)
  • Flugkörperabsturz
  • Brandstiftung, Vandalismus
  • Hochwasser, Starkniederschläge, Sturm
  • Erdbeben, Erdrutsch, Vulkanausbrüche
  • Einbruch-/Diebstahl

Worauf man bei Sachversicherungen und Allgefahrenversicherungen achten sollte, stelle ich Ihnen im nächsten Beitrag vor.

Ist das Kunst oder kann das weg? 150 150 C4B

Ist das Kunst oder kann das weg?

Auf den ersten Blick hat Rechnungswesen und Controlling wenig mit Kunst zu tun. Zumindest mit den sogenannten bildenden Künsten. Was aber Mitarbeiter im Finance von mittelständischen Unternehmen und Konzernen tagtäglich leisten, hat – so finde ich – häufig sehr viel mit Kunst zu tun. Herausragende Praxisbeispiele und Benchmarks für schwierige Aufgabenstellungen haben wir mit den Teilnehmern in unseren Benchmarking Circles kennengelernt. Und mit Lösungen für die täglichen Herausforderungen beschäftige ich mich seit meinem beruflichen Start im Finance vor mittlerweile mehr als 20 Jahren. Zahlreiche Themen finde ich so wissens- und teilenswert, dass sie eben nicht „weg“ können…Stattdessen möchte ich sie auf meinem Blog vorstellen und mit Ihnen teilen. Fachliches, Tipps & Tools, interessante Porträts und Termine werden Sie künftig hier finden. Schauen Sie doch mal vorbei. Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare und Anregungen.