Beiträge mit den Schlagworten :

Corona

„Corona ist ein Gegenspieler zum Datenschutz“ – ein Interview mit Wolf-Werner Alebrand (1/2) 1024 671 C4B

„Corona ist ein Gegenspieler zum Datenschutz“ – ein Interview mit Wolf-Werner Alebrand (1/2)

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass die DSGVO viele Unternehmer zum Verzweifeln gebracht hat. Inzwischen ist zwar Ruhe eingekehrt, doch in den vergangenen 24 Monaten wurden erhebliche Bußgelder wegen Verstößen verhängt. Grund genug, den Scheinwerfer einmal wieder auf das Thema Datenschutz zu richten. Im Interview Wolf-Werner Alebrand, Spezialist für Compliance- und Datenschutz-Management.

 

Herr Alebrand, Ende Mai vor zwei Jahren trat die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Wo stehen wir heute?

Wolf-Werner Alebrand: Obwohl die DSGVO bereits zwei Jahre vor ihrem Inkrafttreten im Jahr 2018 angekündigt wurde, schienen viele Unternehmen doch von ihr überrascht worden zu sein. Erst wenige Wochen, oft erst wenige Tage vorher, häuften sich auch bei mir die Anfragen, wie nun die Bestimmungen umzusetzen sind. Und bis heute haben viele Unternehmen noch nicht gänzlich ihre Hausaufgaben erledigt. Insgesamt mangelt es noch an Klarheit in der Anwendung, der Beratungsbedarf ist also hoch geblieben. Aber die zunächst befürchteten großen Abmahnwellen sind ausgeblieben.

Kann man schon eine Zwischenbilanz ziehen?

Wolf-Werner Alebrand: Die EU-Kommission zieht in ihrem Bericht aus dem Juni eine weitestgehend positive Bilanz der ersten zwei Jahre. [Anm. der Redaktion: nachzulesen hier]. Danach genießt die DSGVO national eine hohe Akzeptanz und wurde, mit Ausnahme von Slowenien, von den europäischen Mitgliedsstaaten in eigenes nationales Recht umgesetzt. Und auch international hat die DSGVO Schule gemacht. Beispielsweise haben Länder wie Japan oder Brasilien oder Staaten wie Kalifornien mit ihrem California Consumer Privacy Act die Regelungen adaptiert. Das macht die wirtschaftliche Zusammenarbeit einfacher.

 

Die drohenden Bußgelder aufgrund von Verstößen gegen die DSGVO können mit bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens ja erheblich sein. Wurden diese auch durchgesetzt?

Wolf-Werner Alebrand: Die Zahl der wirksamen Verfahren sind gestiegen. Aufsehen erregt haben beispielsweise die hohen Strafen für Unternehmen wie die Hotelkette Marriott in Höhe von 110 Millionen Euro oder Google in Höhe von 50 Millionen Euro. Auch in Deutschland gab es hohe Bußgelder. Die Deutsche Wohnen musste beispielsweise 14,5 Millionen Euro dafür zahlen, dass sie Mieterdaten nicht rechtzeitig gelöscht haben. Gute Gründe also, sich als Unternehmen intensiv mit der DSGVO auseinanderzusetzen.

 

Was hat sich Ihrer Ansicht nach seit Inkrafttreten der DSGVO zum Positiven hin verändert?

Wolf-Werner Alebrand: Mit Einführung der DSGVO hat sich auch das Bewusstsein über die Sensibilität von Daten verändert, das kann man auch leicht bei sich selbst feststellen. Datenschutz ist nicht nur „nice to have“, sondern ein Grundrecht. Und das kann jetzt besser durchgesetzt werden. Die Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten wurden erheblich verschärft. Zudem ist der Datenschutz als Verkaufsargument angekommen, auch in Hinsicht auf Compliance sowie erste Zertifizierungen.

 

Es ist vielfach zu lesen, dass die EU-Verordnung speziell bei europäischen Unternehmen wie ein Katalysator für mehr und vor allem wirksamere IT-Sicherheit gesorgt hat. Inwiefern ist das so? Und: teilen Sie diese Ansicht?

Wolf-Werner Alebrand: Ich nenne es gerne den „heilsamen Druck der Gesetze“. Die angedrohten Bußgelder erzeugen den notwendigen Handlungsdruck, damit die Regeln auch umgesetzt werden. Ansonsten fragen sich viele Unternehmen: Warum kümmere ich mich überhaupt um den Datenschutz? Aus diesem Zwang heraus werden Projekte aufgesetzt und Prozesse unter die Lupe genommen, für die vorher oft nicht die Ressourcen bereitgestellt wurden. Insofern hat so ein Gesetz auch positive Nebeneffekte, das gilt auch für einzelne Bereiche wie die IT.

 

Mit der Corona-Pandemie wurden viele Arbeitsplätze quasi über Nacht an den heimischen Schreibtisch oder gar Küchentisch verlagert. Wie geht es dem Datenschützer damit?

Wolf-Werner Alebrand: Corona war zunächst einmal ein Gegenspieler zum Datenschutz. Viele Unternehmen mussten möglichst schnell ihre herkömmlichen Arbeitsprozesse umstellen. Nur wenige hatten aufgrund des finanziellen und zeitlichen Drucks die Zeit, auch noch passende Schulungen für ihre Mitarbeiter zu organisieren. Ad hoc wurden Videokonferenzlösungen eingesetzt und Messenger-Gruppen gegründet, private Hardware genutzt, häufig mangels ausreichender dienstlicher Laptops. Und Firmendokumente lagen am heimischen Küchentisch, zwischen den Schulaufgaben der Kinder. Alles Themen, bei denen sich dem Datenschützer die Nackenhaare sträuben. Unternehmen tun gut daran, im Sinne einer gezielten Prävention von Datenschutzverstößen auch für die Remote-Arbeit einige Vorgaben einzuführen. Angefangen von Arbeitsanweisungen zu dem Umgang mit Papierdokumenten im häuslichen Umfeld über Vorgaben zur IT-Sicherheit, beispielsweise dem Einsatz von Passwörtern, bis hin zu dem sicheren Zugriff auf den Unternehmensserver. Einen guten Überblick über notwendige Maßnahmen im Homeoffice bietet ein Dokument des Bayerischen Landesamtes für Datenschutz.

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews mit Wolf-Werner Alebrand mehr zur Frage, wie detailliert ein Informationssicherheitskonzept sein sollte und welche Maßnahmen Firmen zum Schutz vor Cyberattacken treffen müssen.

 

Über Wolf-Werner Alebrand

Wolf-Werner Alebrand ist Spezialist für Compliance- und Datenschutz-Management und berät und unterstützt Unternehmen zu Themen des betrieblichen Risikomanagements und als Interimsmanager.

Wolf-Werner Alebrand auf LinkedIn und Xing.

Und dann kam Corona. So meistern Finance-Manager die Krise. 1024 768 C4B

Und dann kam Corona. So meistern Finance-Manager die Krise.

Unvollständige Lieferketten, Kurzarbeit und Home-Office: Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen Manager täglich vor neuen Herausforderungen. Wir haben mit verschiedenen Finance-Managern unserer C4B Benchmarking Circle über die aktuellen Herausforderungen für sie und ihre Unternehmen gesprochen:

Markus Aschauer, Leiter Buchhaltung und Controlling, Hamburg Wasser

Wir profitieren sicher davon, dass wir ein Gut anbieten, dass immer nachgefragt wird. Nachdem das bundesweite Kontaktverbot nun seit Wochen das Leben der Menschen beeinflusst, haben wir uns bei Hamburg Wasser einmal die Auswirkungen auf den Wasserverbrauch angeschaut. Die Kontaktsperre bedeutet, dass viele Menschen zu Hause bleiben müssen. Und es hat sich tatsächlich etwas verändert: Die Zeit am Morgen mit der höchsten Wasserabgabe, hat sich um gut zwei Stunden nach hinten verschoben. Geschlossene Schulen und Geschäfte sorgen dafür, dass in der Innenstadt weniger Wasser verbraucht wird. Wir merken die Auswirkungen, wie vermutlich die meisten Unternehmen, vor allem in der Umorganisation unserer Arbeit. Beispielsweise können derzeit in den Wohnungen und Häuser nicht, wie turnusmässig erforderlich, die Wasserzähler ausgetauscht werden. Deshalb wurden unsere Monteure bei vollem Gehalt freigestellt. Kurzarbeit mussten wir bisher noch nicht beantragen. Buchhaltung und Controlling arbeiten größtenteils aus dem Homeoffice. Für mich war deshalb der Austausch in den aktuellen C4B Benchmarking Circles zum Thema virtuelles Führen sehr spannend. Wie gelingt gute Mitarbeiterführung in herausfordernden Zeiten wie diesen ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Das Kontaktbedürfnis der Mitarbeiter ist spürbar gestiegen in den letzten Wochen. Die fehlenden sozialen Kontakte wirken sich negativ auf das Wohlbefinden aus, so mein Eindruck. Die fehlende Grenze zwischen Arbeitswelt und Privatleben belastet zusätzlich und erzeugt offenbar Stress.

Heiko Busse, Managing Director Kaesler Nutrition GmbH

An erster Stelle steht für uns die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durch vielfältige Maßnahmen im Unternehmen haben wir für sicheres Arbeiten gesorgt. Diese Strukturen aufzubauen hat uns, wie vermutlich viele andere Unternehmen auch, einige Anstrengungen gekostet. Als Lieferant und Produzent für Futtermittel-Zusatzstoffe stehen wir ganz am Anfang der Wertschöpfungskette und zählen nicht nur selbst zu den systemrelevanten Branchen, sondern beliefern diese auch. Das gilt es für uns jetzt auch weiterhin möglichst nahtlos sicherzustellen, auch wenn die Logistikkette an der ein oder anderen Stelle schon beeinträchtigt ist.

 

 

Björn Greven, Leiter Controlling, Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG

Die größten Herausforderungen bestehen sicher darin, die wirtschaftlichen Folgen und die Reaktion der Märkte einzuschätzen, um unser Unternehmen sicher durch die Krise manövrieren zu können. Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit sind gerade jetzt unabdingbar. Alle Unternehmen stehen vor riesigen Herausforderungen und ich denke, dass niemand weiß, wohin uns das alles führen wird. Deshalb brauchen wir Vorgehensweisen und Tools um „auf Sicht“ fahren zu können. Gerade zu dieser Zeit ist natürlich der Austausch mit anderen Benchmarking-Teilnehmern von großem Vorteil, da wir alle vor den gleichen Fragen stehen. Wenn man sich die Antworten auf diese Fragen mitteilt, ist allen geholfen, um möglichst unbeschadet durch diese Krise zu kommen.

Anton Hollerieth, Leiter Finanzen Alpenhain

Unser Unternehmen ist ein Traditionsunternehmen, wir beliefern den Lebensmitteleinzelhandel, Großverbraucher und Gastronomien in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in über 40 anderen Ländern seit mehr als 100 Jahren mit verschiedene Weich- und Backkäsesorten. Wir sind beispielsweise von Terminverzögerungen bei Lieferungen aus anderen EU-Staaten betroffen. Der Handel bestellt derzeit wesentlich mehr, aber durch die Ausfälle in der Gastronomie und Hotellerie haben wir beispielsweise auch Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. Auf einen Schlag sind viele unserer Verwaltungsmitarbeiter jetzt im Homeoffice, dies zu organisieren und jetzt täglich dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter gut betreut sind, ist eine große Herausforderung.

 

Michael Kraus, Head of Controlling Klüber Lubrication

Wir haben innerhalb kürzester Zeit die Produktion und das Lager auf zeitlich versetzte Schichten umgestellt. Das gesamte Controlling arbeitet aus dem Homeoffice; Monats- und Quartalsabschluss haben wir so gut gemeistert. Aber schöner wäre es trotzdem, wenn man sich persönlich begegnen könnte anstatt nur virtuell, denn in der Kommunikation gehen so feine Nuancen verloren. Derzeit spüren wir die Corona-Krise auf der Einkaufsseite, weil zum Teil unsere Lieferanten betroffen sind. Auch der Transport hin zum Kunden ist schwieriger geworden, Luftfracht gibt es praktisch kaum noch und die geschlossenen Grenzen in Europa erschweren den Transport auf der Straße.

 

 

Henrik Leps, Vice President Finance Light & Optics, Jenoptik

Erst galt es, innerhalb kürzester Zeit das mobile Arbeiten zu ermöglichen und die Fertigung umzuorganisieren, das war eine riesige Herausforderung. Von organisatorischen Fragen für das Homeoffice wie ausreichend VPN-Lizenzen und Notebooks bereitzustellen, bis hin zu dem Ärgernis zu schwacher Telefonleitungen. Wir fertigen unter Reinraumbedingungen, auch die Fertigung musste umgest
ellt werden. Für das gesamte Unternehmen galt es also, Workarounds und pragmatische Lösungen zu finden. Wir haben relativ schnell eine Betriebsvereinbarung treffen können, die das mobile Arbeiten, das Handling von Urlaubstagen und beispielsweise Gleitzeit regelt. Es war schön zu beobachten, wie engagiert alle mitgeholfen haben und auch honoriert wurde, dass wir an bestmöglichen Lösungen für alle arbeiten. Den sich ständig verändernden Herausforderungen stellen wir uns jeden Morgen um 8.00 Uhr mit einem „Pandemie-Call“, in dem ein Team aus Vertretern aller Funktionen die aktuelle Lage bespricht und schnellstmöglich Lösungen erarbeitet. Nach wenigen Wochen Homeoffice spüre ich jedoch bei uns allen eine gewisse Ernüchterung, denn das mobile Arbeiten fordert uns alle sehr, beispielsweise auch durch die fehlenden Sozialkontakte

 

Mirko Waeckerle, Finance Director Linxens Germany GmbH

Unsere größte Herausforderung zu Beginn der Corona-Krise bestand darin, das Unternehmen so zu organisieren, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschützt werden und trotzdem die Kunden beliefert werden können. Das ist sehr schnell gut gelungen. In der Produktion haben wir beispielsweise einen kontaktlosen Schichtwechsel eingeführt. Zudem sind möglichst viele Beschäftigte im Homeoffice tätig. Jetzt stellen wir fest, dass die Lieferketten schwierig werden. Durch Engpässe im Transportwesen können sich Lieferungen verzögern, die Kapazitäten im Luftverkehr fehlen und werden zudem richtig teuer.

Gemeinsam durch turbulente Zeiten 1024 683 C4B

Gemeinsam durch turbulente Zeiten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ausnahmesituationen wie die Gegenwärtige bringen viele Unsicherheiten mit sich. Wir vom C4B-Team möchten auch in diesen herausfordernden Zeiten fachlich unterstützen – denn mittlerweile haben uns das Coronavirus und seine Folgen nicht nur persönlich, sondern auch wirtschaftlich fest im Griff. Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen stehen vor ungeahnten Herausforderungen.

Wir haben alle unsere Veranstaltungen bis auf Weiteres auf virtuelle Online-Benchmarking Circles umgestellt. Außerdem bieten wir Impulsvorträge in einer „Aktuellen Stunde“ an. Für unsere Benchmarking-Kunden haben wir geschlossene Chat- und Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit Fragen rund um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie befassen – zum Beispiel Fördermittel oder Szenario-Rechnungen. Eben mit allem, was jetzt für die Arbeit von Finance-Verantwortlichen wichtig sein kann. Auf unserem Blog wollen wir auch alle Leserinnen und Leser an Erkenntnissen und Praxistipps teilhaben lassen und werden Sie laufend mit Beiträgen versorgen.

Für die Möglichkeiten digitaler Kommunikation sind wir sehr dankbar. Unser Netzwerk nutzen wir ab sofort virtuell und möchten weiterhin allen Benchmarking Circle-Kunden die Gelegenheit bieten, sich auszutauschen. Gemeinsam stehen wir diese turbulenten Zeiten durch. Bei Fragen sind wir vom C4B-Team gerne für Sie da. Tun Sie uns nur einen Gefallen: Bleiben Sie gesund!

Ihre Ute Schröder