• 3. März 2020

Praxisstimmen: Wie sieht die Controlling-Organisation der Zukunft aus?

Praxisstimmen: Wie sieht die Controlling-Organisation der Zukunft aus?

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Was beschäftigt Controller in Mittelstand und Konzern derzeit am dringlichsten? Fühlen sie sich auf die Veränderungen durch Digitalisierung und Automatisierung gut vorbereitet? Und mit welchem Mindset müssen Finance-Verantwortliche den anstehenden Veränderungsprozess angehen? Wir haben Finance-Verantwortliche aus unseren Benchmarking Circles zu diesen Themen befragt.

Heute im Interview: Hauke Greeske, Leiter Beteiligungscontrolling der KHS Gruppe, einem international tätigen Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränke-, Food- und Non-Food-Industrie.

Herr Greeske, angesichts der fortschreitenden Digitalisierung – was ist derzeit Ihre dringlichste Frage zur Controlling-Organisation?

Hauke Greeske: Was sind die Anforderungen, Trends, die uns erwarten? Was bedeutet Industrie 4.0 im Bereich des Controllings und welche Anforderungen kommen auf uns als Controller zu, die bisher so nicht da waren? All das sind Fragen, die mich in Bezug auf die Controlling-Organisation der Zukunft beschäftigen.

Welche Ideen und Impulse haben Sie aus dem Benchmarking Circle zur Controlling-Organisation der Zukunft mitgenommen?

Hauke Greeske: Zunächst war es sehr spannend zu sehen, in welcher Form Digitalisierung und Automatisierung im Controlling anderer Unternehmen Einzug gehalten haben. Wo wird KI, Big Data und Predictive Analytics bereits eingesetzt? Bisher bewege ich mich in unserem Unternehmen eher in einem klassischen Controller-Aufgabenfeld. Wir sind im Bereich Beteiligungscontrolling gut in GuV-Analyse und Bilanzanalyse, wir planen, informieren und kontrollieren, ob und wie die Gesellschaften dem Geschäftsbetrieb der Muttergesellschaft dienen und die gesetzten Ziele erreichen, wir sammeln viele Daten ein. Muster in Daten zu erkennen, Künstliche Intelligenz einzusetzen – das wird bei uns noch nicht gelebt und das ist eine Herausforderung, der wir uns in Zukunft stellen müssen.

Das von Shell im Benchmarking Circle vorgestellte Modell der Shared Services kommt für ein Unternehmen unserer Größe eher nicht in Betracht. Spannend würde ich aber finden, sogenannte Wissens-Hubs in den Regionen aufzubauen. Das Wissen, das bisher in der Zentrale ist, könnten wir multiplizieren, so dass in den einzelnen Regionen auch Experten sitzen. Diese können dann beispielsweise zeitnah reagieren und damit auch die Zentrale entlasten.

Das setzt ja auch ein bestimmtes Mindset voraus. Was denken Sie müssen Controller/CFO Ihrer Meinung künftig beherrschen?

Hauke Greeske: Entscheidend ist für mich, dass man offen sein muss für Neues und auch ausgesprochen kommunikativ. In Bezug auf das eben geschilderte Beispiel bedeutet es auch, dass wir bereit sein müssen aufeinander zuzugehen, in Vorleistung zu gehen und unser Wissen zu teilen. Dazu benötigt man Vertrauen – und das kann man meiner Ansicht nach nur auf ganz altmodische Weise herstellen, nämlich über die persönliche Begegnung und den persönlichen Austausch. Bevor wir also beginnen, Prozesse zu digitalisieren und automatisieren, müssen wir Menschen erst einmal – ganz „old school“ – zusammenbringen. Denn wenn ich mein Gegenüber persönlich kenne, verändert sich die Zusammenarbeit ungemein.

Fühlen Sie sich persönlich gut vorbereitet auf die Veränderungen? Und was trägt die Mitarbeit im Facharbeitskreis von C4B dazu bei?

Hauke Greeske: Wir können als Controller nicht alles beherrschen, z.B. was die IT an Möglichkeiten betrifft. Aber man sollte verstehen welche Chancen bestehen, welche Themen einen betreffen können und was erforderlich ist. Dazu benötige ich persönlich immer wieder Input. Und die Benchmarking Circle liefern mir immer wieder Impulse, auch von Kollegen und Kolleginnen anderer Organisationen. Außerdem ist es unheimlich beruhigend, dass man erlebt, dass die offen auch über Unsicherheiten und Probleme in Prozessen berichten.

 

Über Hauke Greeske
Hauke Greeske startete seine berufliche Laufbahn nach dem betriebswirtschaftlichen Studium bei der GEA Group AG. Dort war er mehr als siebeneinhalb Jahre in verschiedenen Funktionen des Beteiligungscontrollings und auf verschiedenen Ebenen im Konzern tätig, u.a. als kaufmännischer Leiter in einer Tochtergesellschaft in der Schweiz. Weitere Stationen folgten, u.a. als Leiter Controlling innerhalb einer international aufgestellten mittelständischen Unternehmensgruppe im Bereich der chemischen Produkte für Oberflächenanwendungen sowie als Senior Controller bei der Fahrzeug-Werke LUEG AG. Seit 2018 ist Hauke Greeske Leiter Beteiligungscontrolling beim KHS-Konzern, einem weltweit führenden, international tätigen Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränke-, Food- und Non-Food-Industrie. Der Konzern hat seinen Firmensitz in Dortmund und realisierte 2018 mit 5.081 Mitarbeitern einen Umsatz von 1.161 Mio. €. Die KHS Gruppe ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der zum Salzgitter-Konzern gehörenden Salzgitter Klöckner-Werke GmbH.

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