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  • 3. September 2019

Klare Kante – Ein Interview mit Doris Dreyer

Klare Kante – Ein Interview mit Doris Dreyer

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Herausforderungen ausweichen? Das kommt nicht in Frage. Mit Mut und Beharrlichkeit hat Doris Dreyer ein Unternehmen übernommen und zum Erfolg geführt. Sich auf dem Erreichten auszuruhen – das käme der Gesellschafterin und Geschäftsführerin der FibuNet GmbH nicht in den Sinn.

Sie hat immer einen Teebeutel in der Tasche. Schwarzer Tee mit Milch, ihr „Leib- und Magengetränk“, ist einer von Doris Dreyers
wichtigsten Begleitern durch ihre randvoll gefüllten Arbeitstage. Die enden auch schon mal in der Nacht. Die Gesellschafterin und Geschäftsführerin der FibuNet GmbH, eines auf Buchhaltungs- und Controlling-Software spezialisierten Unternehmens,setzt sich mit Leidenschaft für ihre Aufgaben ein, auch weit über normale Arbeitszeiten hinaus. „Vor neun Uhr bin ich schlecht ansprechbar, dafür macht es mir nichts aus, auch mal bis zwei Uhr nachts zu arbeiten“, erklärt die Managerin. Trennscharf ist sie bei ihr ohnehin nicht, die Grenze zwischen Privatleben und Beruf. Doris Dreyer leitet das Familienunternehmen inzwischen gemeinsam mit den Söhnen ihres Bruders, dem Gründer des Softwarehauses. Sein Vermächtnis ist ihr Verpflichtung und Ansporn gleichermaßen.

Terriermentalität
„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Kaum ein Satz könnte den beruflichen Werdegang von Doris Dreyer besser skizzieren als das Zitat von Wilhelm Busch. Eigentlich wollte die junge Doris Maschinenbau studieren, „doch meine Mathekenntnisse reichten nicht aus.“ Sie entschließt sich, eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin zu machen. Das Thema Steuern liegt der Familie im Blut, ihr Vater war Steuerberater, drei ihrer fünf Geschwister sind in der Branche tätig. 14 Jahre arbeitet Doris Dreyer für ein Unternehmen der Großhandels-Branche in der Buchhaltung. Sie startet als zweite Buchhalterin, nach sieben Monaten wird sie bereits Chefbuchhalterin, wenige Jahre später Prokuristin. 1993 kommt ein Anruf ihres Bruders Uwe René „Ich brauche Dich“. Obwohl sie ihr damaliges Gehalt halbiert, nimmt sie die Herausforderung an und tritt in das Unternehmen ihres Bruders, die FibuNet GmbH, ein. Mit den Worten „meine Schwester kann das alles“ wird sie den dort beschäftigten Software-Entwicklern angekündigt. „Konnte ich natürlich nicht“, erinnert sich Doris Dreyer schmunzelnd. Aber sie beißt sich sprichwörtlich durch, ohne Know-how im Programmieren, aber mit der notwendigen „Terriermentalität“ ausgestattet, wie sie selbst sagt. Zäh und beharrlich sei sie – und das zahlt sich aus.

Von den Kunden unterstützt
Drei Jahre arbeitet sie Seite an Seite mit ihrem Bruder, dann ändert sich ganz plötzlich alles. 1996 kommt ihr Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben. „Ich wusste nicht, wie es weitergeht“, erinnert sie sich an die erste Zeit nach dem Unglück. Sie entscheidet sich, das Geschäft weiterzuführen. „Getragen wurde meine Entscheidung auch von unseren Kunden. Sie haben mich gebeten, weiterzumachen.“ Der Zuspruch, der von vielen Seiten kam, gab ihr den Mut dazu. Aus so mancher Geschäftsbeziehung ist inzwischen eine Freundschaft gewachsen. Als Dreyer 1993 ins Unternehmen kommt, arbeiten sie mit fünf Mitarbeitern für rund 120 Kunden. Inzwischen betreut die FibuNet GmbH mit 34 Mitarbeitern gut 1.400 Kunden. „Wir sind langsam und kontinuierlich gewachsen“, berichtet die Managerin. Ein Grund für ihren Erfolg liegt sicher darin, dass Dreyer aus eigener Erfahrung ganz genau versteht, was Mitarbeiter im Rechnungswesen brauchen. „In der Regel sind Buchhalter immer bis zum Anschlag belastet. Wir möchten ihnen den Stress nehmen und ihnen Erleichterung schaffen.“ Langfristige Kundenzufriedenheit sei ihr wichtig. Deshalb legt sie auch so viel Wert auf einen funktionierenden Kundendienst. „Unsere Kunden schätzen, dass sie bei uns mit ihren Anfragen nicht vor die Wand laufen.“

„Entscheidungen sollte man nicht infrage stellen“
Vier Monate vor dem Tod ihres Bruders plant Doris Dreyer, BWL zu studieren. Dass sie das Studium nie durchführen konnte, findet sie ein „kleines bisschen schade.“ Bereuen tut sie ihre Entscheidung aber dennoch nicht. „Entscheidungen muss man treffen – und zu dem Zeitpunkt, zu dem man sie trifft, sind sie immer richtig. Ich halte nichts davon, sie später noch mal infrage zu stellen.“ Sie besitzt das Talent, den Blick auf die positiven Seiten des Lebens zu richten. „Es war ein langer Tunnel, den wir damals durchschreiten mussten. Aber es gab auch unglaublich viel Unterstützung – von der Familie, von Freunden, von Mitarbeitern und auch von Geschäftspartnern.“ Ihre Aufgabe gibt ihr viel Kraft zurück. „Der Umgang mit vielen Menschen, die Branchenvielfalt, das gute Gefühl, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde, das Vermitteln von Wissen – all das sind Dinge, die ich an meinem Job liebe“, sagt Dreyer. Aus diesem Grund ist Doris Dreyer auch Mitglied des Expertenteams geworden, das die C4B Manuals, einer Arbeitshilfe für eine schematische Prozessdokumentation, erstellt. Die C4B Manuals ermöglichen Unternehmen, ihre IST-Prozesse mit den vorgelegten Musterprozessen zu vergleichen und einfach auf die Situation im Unternehmen zu übertragen. „Jeder Nutzer kann mit den Manuals die für ihn relevanten Bausteine heraussuchen und individuell ans eigene Unternehmen anpassen. Uns ist damit gelungen, Komplexität einfach darzustellen“, erklärt Dreyer. „Mit anderen Experten zusammen zu arbeiten, unterschiedliche Kompetenzen und Blickwinkel einzubringen, das gefällt mir ausgesprochen gut und macht am Ende auch die Qualität unseres Projektes aus.“

Mit Beharrlichkeit und Mut
Hat die Managerin ein weiteres Erfolgsgeheimnis? Neben Beharrlichkeit und Mut ist es sicherlich auch ihre Klarheit und diese „ganz-oder-gar-nicht-Haltung“. „Ich bin immer mit Herzblut und zu 100 Prozent dabei, etwas nur siebzigprozentig zu machen ist nicht meine Sache.“ Und niemals stehen zu bleiben. Sich regelmäßig weiterzubilden gehört für die Managerin ebenfalls dazu. Einmal im Jahr schafft Doris Dreyer sich bewusst Zeit für eine Fortbildungsmaßnahme, ob fachlich oder persönlich. Ihre Ziele hat sie immer fest im Blick, nimmt am liebsten alles selbst in die Hand. „Auch ein Grund, warum ich weder gerne fliege noch Bahn fahre, das stresst mich, denn dann habe ich keinen Einfluss auf meine Ankunftszeit.“ Autofahren vermittle ihr aber nicht nur das Gefühl, die Dinge selbst in der Hand zu haben. Die tägliche Fahrt zur und von der Arbeit nutzt sie zum Musikhören und Entspannen. Kraft schöpft sie in ihrem Ferienhaus an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, nahe St. Peter Ording. „Bei rund 180 Nächten, die ich jedes Jahr beruflich in Hotels schlafen muss, genieße ich es im Urlaub, in unseren eigenen vier Wänden die Seele baumeln zu lassen.“

Familienmensch
Vier Jahre, so hat es sich die heute 62-jährige vorgenommen, möchte sie noch arbeiten. Entspannt zurücklegen wird sie sich aber auch dann vermutlich nicht. Vor drei Jahren hat sie mit ihrem Mann einen alten Bauernhof gekauft, den sie gemeinsam restauriert und zum Familien- und Mehrgenerationenwohnsitz umgebaut haben. Ihre große Familie hat Doris Dreyer gerne um sich. Besonders stolz ist sie auf ihre Tochter, die inzwischen ihr Masterstudium in Städteplanung abgeschlossen hat. „Sie musste sehr schnell sehr selbstständig werden. Aber offenbar hat sie mein Terrier-Gen geerbt, sie macht ihre Sache großartig.“ Reichlich Platz ist auf dem Hof vorhanden, auf dem neben ihrer eigenen Familie auch die Schwiegermutter, zwei ihrer Schwestern und Rauhaardackel Eddy sowie Papagei Coco wohnen. Endlich Zeit haben für private Reisen, darauf freut sich Doris Dreyer am meisten. „Einmal die chinesische Mauer sehen, mit der transsibirischen Eisenbahn fahren – und mit dem Wohnmobil einmal quer durch jedes europäische Land.“