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Januar 2020

China: Land der Kontrolle (3/3) – Ein Gastbeitrag von Tim Schröder 636 372 C4B

China: Land der Kontrolle (3/3) – Ein Gastbeitrag von Tim Schröder

Seit Juni letzten Jahres gehen in Hongkong immer wieder Hunderttausende vor allem junge Menschen auf die Straße. Doch in den chinesischen Medien wird von diesen Protesten nicht berichtet. Das und wie gefährlich Kritik am System sein kann, erfuhr unser Gastautor Tim Schröder während seines einjährigen Aufenthalts in China.

Im ersten Teil seines Gastbeitrags für den C4B Blog hat Tim Schröder für uns einen Blick auf die Geschichte Chinas geworfen. Der zweite Teil und der vorliegende letzten Teil seines Beitrags drehen sich um seine Erfahrungen mit den Menschen und der gesellschaftlichen Situation in China.

Überwachung überall

Bei uns wird der gesellschaftliche Dialog sehr durch die Medien getragen. In China gibt es keine Nachrichtenagentur, die nicht unter Kontrolle der kommunistischen Partei steht. Soziale Medien, außer die staatlich Regulierten, sind verboten. Webseiten wie Google, Facebook oder Wikipedia sind gesperrt. Zusätzlich wird bis 2020 das sogenannte Social-Credit-Score System eingeführt. Dieses System hat den Zweck, Kredite unter Berücksichtigung von sozialem Verhalten zu vergeben. Es wird bewertet, was man einkauft, ob man bei Rot über die Ampel geht oder wie häufig man die Eltern besucht. Es soll die Bürger zu „optimalen“ Verhalten erziehen. Kameras hängen überall und die Gesichtserkennung ist inzwischen sehr zuverlässig. Digitale Zahlungssysteme, die praktisch über das Handy funktionieren, können gut überwacht werden. Ich habe mich während meines Aufenthalts häufig gefragt: Warum wehren sich die Menschen nicht gegen die totalitäre Staatsform? Warum gehen die jungen Menschen nicht auf die Straße wie es in Hongkong der Fall ist?

Beeindruckende Demonstration der staatlichen Medien

Zum einen gab es in China noch nie Demokratie, wie wir sie kennen. Von der damaligen Monarchie ging es sehr direkt in das heutige sozialistische Ein-Parteien-System über. Die Menschen sind weder an Meinungs-, Presse-, noch Demonstrationsfreiheit gewöhnt. Im Moment betreue ich eine chinesische Austauschstudentin an der TU Berlin. Als wir am Brandenburger Tor an einigen Demonstranten vorbei gingen, fragte sie mich, ob ich so etwas nicht für gefährlich halte. Es war mir nicht möglich, ihr die Sinnhaftigkeit der Demonstrationsfreiheit zu erklären. Hongkong wird nach dem politischen Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ regiert, bürgerliche Freiheiten wie die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit werden den Menschen garantiert. Deshalb sieht man regelmäßig in den Nachrichten, dass die Menschen dort protestieren, denn sie wissen, was sie zu verlieren haben. Ich war zu Beginn der Hongkong-Proteste noch auf dem chinesischen Festland – dort hat man jedoch kein Sterbenswörtchen davon gehört. Eine beeindruckende Demonstration des Medienapparats. Selbst eine Nachricht eines deutschen Kommilitonen auf WeChat (das chinesische Facebook-Äquivalent), die den Link zu einem Nachrichtenartikel enthielt, wurde innerhalb von Minuten aus dem System gelöscht und der Zugang meines Freundes vorübergehend gesperrt.

Ich musste lernen, dass sich zur scheinbaren Unveränderlichkeit des Systems eine gewisse gesellschaftliche Trägheit und Politikmüdigkeit hinzugesellt. Aber nicht nur das: Viele Chinesen empfinden das System sogar als positiv. Den meisten Chinesen geht es viel besser als ihren Eltern und sie sind sehr zuversichtlich, dass das Gleiche für ihre eigenen Kinder gilt. Sie haben genug zu Essen. Die wachsende Mittelschicht wird immer reicher, hat gute Jobs und kann sich Urlaub im Ausland leisten. Vor 30 Jahren wäre das für den Großteil der Bevölkerung nicht möglich gewesen. Das wird der Regierung hoch angerechnet und erzeugt eine Grundzufriedenheit, die ausreicht, um die menschenrechtlichen Mischstände im Land auszublenden. Tatsache ist sicherlich auch, dass das System ausgesprochen effektiv funktioniert, vielleicht sogar die einzige Möglichkeit ist, ein Land mit einer derart hohen Bevölkerung erfolgreich zu führen. Keine langsame Bürokratie, sondern schnelle Exekution.

Öffentliche Kritik ist gefährlich

Unerwähnt darf nicht bleiben, dass Rebellen im System keine hohe Lebenserwartung haben. Es ist sehr gefährlich, öffentlich Kritik zu äußeren, wie die vielen inzwischen publik gewordenen Fälle von Gefängnisstrafen für Journalisten zeigen. Es ist ein Leichtes für die Behörden, ein Bankkonto zu sperren und zu verbieten, in die Stadt oder gar ins Ausland zu reisen, denn für alle Fernreisen, auch Bus und Bahn, braucht man seinen Ausweis. Alles was nicht ins System passt, wird unterdrückt, entfernt oder verändert. Dazu gehören auch die vielen in China lebenden Minderheiten. Nach Schätzung der Vereinten Nationen werden mehr als eine Millionen Menschen der Minderheit Uiguren in Lagern festgehalten. In den Umerziehungslagern sollen sie ihrer Religion abschwören. Sie müssen streng bewacht Hochchinesisch lernen, die Nationalhymne singen, KP-Propagandasprüche auswendig lernen und Parteichef Xi Jinping preisen.

Mein geplantes Studienjahr habe ich schließlich auf 6 Monate verkürzt und im verbleibenden halben Jahr China und seine Nachbarländer bereist. Gelernt habe ich in diesem Jahr nicht nur Inhalte für mein Studium und was es heißt, in China zu studieren. Inzwischen kann ich mir ein viel genaueres Bild davon machen was es heißt jung oder alt, arm oder reich, „normal“ oder anders zu sein. So habe ich einen Monat auf einer Farm in Sichuan gearbeitet. Die Familie, bei der ich wohnte, nutzt dieses Gebiet schon seit Jahrhunderten landwirtschaftlich. Die meisten Arbeiter waren über sechzig und haben trotzdem von morgens bis abends geschuftet. Ich habe dabei geholfen einen Baggersee zu bauen. Als ich um 7:30 Uhr an der Baustelle ankam, haben die Bauarbeiter schon zwei Stunden lang Steine geschleppt.

Hier kümmert man sich noch sehr gut um die Arbeiter. Es wird morgens, mittags und manchmal abends in der Kantine zusammen gegessen. Auch wenn sie nicht mehr arbeiten können, werden sie weiterhin mit Essen versorgt. An besonderen Tagen wie dem Drachenbootfestival gibt es ein richtiges Festmahl. Das ist keineswegs normal. Viele alte Menschen leben an der Armutsgrenze, weil sie keine Unterstützung der Regierung oder ihrer Kinder erhalten. Besonders bleibt mir eine Erinnerung von meinem Besuch an einem weit außerhalb Pekings liegenden Abschnitt der chinesischen Mauer. Dort gab es keine Touristen oder Hotels. Ich hatte nur ein paar Kräcker dabei und als ich einer alten Dame mit meinem gebrochenen Chinesisch nach dem Weg zum nächsten Restaurant fragte, gab sie mir ein Brötchen und ein Würstchen aus einem Beutel. Diese habe ich in meinem Nachlager in einem der alten Wachtürme verspeist. Es roch zwar ein bisschen komisch, hat aber fantastisch geschmeckt.

Der Englischlehrer in Yunnan lebt in einer homosexuellen Beziehung und hat viel darüber erzählt, wie viel es in der Gesellschaft bedeutet „normal“ zu sein. Es hat schon große Fortschritte gegeben, aber es wird zum Teil immer noch bei der Wahl der Angestellten oder gar Freunde auf „Normalität“ geachtet. Manchmal hatte ich diesen Eindruck auch in meiner Gastfamilie, denn ein ganz normaler Gaststudent möchte nicht alles wissen, beendet das Studium frühzeitig und reist nicht in die entlegensten Orte. Trotz aller Verschiedenheiten ist mir insbesondere meine Gastfamilie mit Warmherzigkeit und Gastfreundlichkeit begegnet. Die Unterschiede in Kultur und Sprache haben manchmal zu komischen oder unangenehmen Situationen geführt, aber am Ende des Tages waren sie für mich da und haben gut auf mich geachtet.

Zurück in Deutschland weiß ich nicht nur die Bürokratie und die TU Berlin ein wenig mehr zu schätzen, sondern auch wie privilegiert man ist, in diesem Land aufzuwachsen. Die Individualität und Möglichkeiten, die wir alle genießen können, ist ein hohes Gut. Doch wir sind auch nur Menschen, wie es sie überall auf der Welt gibt. Es gibt keinen Grund Vorurteile gegen Menschen anderer Regionen zu hegen. Schlechte Menschen gibt es zwar überall, aber ich habe gelernt, dass nette Menschen auch überall wohnen.

 

 

 

 

Quellenangabe

Reporter ohne Grenzen (2019, 2. August): Inhaftierte Journalisten in Lebensgefahr. URL: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/china/alle-meldungen/meldung/inhaftierte-journalisten-in-lebensgefahr/ [16.09.2019]

Süddeutsche Zeitung (2018, 10. September): Internierungslager für eine Million Uiguren. URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/china-internierungslager-fuer-eine-million-uiguren-1.4122300 [16.09.2019]

 

 

Über Tim Schröder

Tim Schröder, Jahrgang 1998, studiert seit 2016 Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin. Im September 2018 ging er mit dem Chinese Scholarship Council Stipendium des chinesischen Bildungsministeriums zum Studium an die chinesischen Eliteuniversität Shanghai Jiao Tong und lebte für sechs Monate in einer chinesischen Gastfamilie. Sein Studium beendet Tim Schröder im Jahr 2021 mit Master of Science mit dem Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz und Kognitive Systeme.

 

„Wir schenken Kindern eine Zukunft“ – Ein Interview mit Reiner Meutsch von der Stiftung Fly & Help 1024 680 C4B

„Wir schenken Kindern eine Zukunft“ – Ein Interview mit Reiner Meutsch von der Stiftung Fly & Help

Wenn man auf ein Jahr zurückblickt, dann sind es meist die persönlichen Begegnungen, die einem besonders in Erinnerung bleiben. Auf einer Reise nach Mallorca habe ich Reiner Meutsch kennengelernt. Er ist Gründer und Vorsitzender der Stiftung Fly & Help, die den Bau von Schulen in Entwicklungsländern fördert. Reiner Meutsch und seine ehrenamtliche Arbeit haben mich nachhaltig beeindruckt. Deshalb unterstützen auch wir von C4B in diesem Jahr mit einer Spende die Stiftung Fly & Help. Ich freue mich sehr, dass uns Reiner Meutsch für den C4B Blog ein Interview gegeben hat – damit wir auch Ihnen einen kleinen Einblick in seine imponierende Aufgabe gewähren können. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich bei allen unseren Interviewpartnern, Gastautoren und vor allem bei allen Leserinnen und Lesern zu bedanken. Das gesamte C4B-Team wünscht ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr,

Ihre Ute Schröder

 

Alles begann mit einer Reise, die Abenteuer, Hilfsprojekt und Herzenswunsch zugleich war: Reiner Meutsch, ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter des Reiseveranstalters Berge & Meer, erfüllte sich einen Lebenstraum: Er tauschte seinen Schreibtisch gegen das Cockpit eines Kleinflugzeuges, um einmal die Erde zu umfliegen. Im Januar 2010 startete der Manager aus dem Westerwald zur Weltumrundung, bei der er zugleich Hilfsprojekte in Ghana, Ruanda, Indien, Indonesien sowie Brasilien besuchte und unterstützte. Reiner Meutsch erzählte uns im Interview mehr zu seiner Stiftung Fly & Help und seinen Zielen.


Schuleröffnung in Brasilien: Reiner Meutsch ist mit vor Ort.

Sie haben vor 8 Jahren Ihren Pilotenschein gemacht und sind 2010 aufgebrochen, um mit einem Kleinflugzeug einmal um die Welt zu reisen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Es war schon immer mein Traum, einmal die Welt im Kleinflugzeug zu umrunden. Irgendwann dachte ich an die Worte meines Vaters: Er wollte immer die Welt bereisen, wenn er mal in Rente wäre. Dazu ist es nie gekommen. Er starb mit 58 Jahren. Also beschloss ich, meinen Traum rechtzeitig umzusetzen. Ich plante den Rückzug aus meiner Firma und verkaufte meine Unternehmensanteile am Reiseveranstalter Berge & Meer. Ich ließ mich zum Piloten ausbilden und startete in 2010 zu einer zehnmonatigen Weltreise durch 77 Länder.

 

Es ging Ihnen jedoch nicht nur um die Reise, Sie starteten mit der Idee, auch Bildungsprojekte zu unterstützen. Wie entstand dieser Wunsch?

Genau, ich wollte dieser Reise einen tieferen Sinn geben. Die Idee war, fünf Bildungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika zu finanzieren und bei der Weltumrundung zu besuchen.

Ich bin in meinem Beruf viel gereist. Meist stand die Frage nach der touristischen Vermarktung im Vordergrund. Doch viele Traumreiseziele bieten den Einheimischen gar keine traumhaften Bedingungen. Besonders tragisch finde ich es, wenn Kinder keinen Zugang zu Schulbildung haben – und damit keine Perspektive. Daher habe ich während meiner Weltumrundung Bildungsprojekte für Kinder unterstützt.


Bau einer Schule in Gitambi, Ruanda.

 

Können Sie sich an besonders prägende Erlebnisse während dieser ersten Reise erinnern?

Die erste Schuleinweihung in Ruanda war für mich überwältigend. Da strahlten mich tausende dankbare Kinderaugen an. Die Kinder waren so glücklich, dass sie durch meine Unterstützung nun Lesen, Schreiben und Rechnen lernen können – das hat mich tief berührt und da konnte ich auch die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Das war der Moment, in dem ich beschloss, dass das mein neues Lebensziel werden soll: ich möchte so viele Schulen wie möglich für Kinder in Entwicklungsländern bauen.


Reiner Meutsch freut sich über die erste Schuleinweihung in Ruanda.

Wenn Sie heute unterwegs sind, was hat sich an Ihrer Perspektive, an Ihrer Sicht verändert?

Die vielen Reisen in die ärmsten Länder unserer Welt haben mich demütig gemacht. Die Menschen dort haben nichts und sind dennoch glücklich. Seitdem weiß ich viel mehr zu schätzen, wie gut es uns hier geht. Probleme, die mich früher beschäftigt haben, sind plötzlich nichtig geworden. Denn im Grunde haben wir hier keine echten Probleme: Wir haben alle ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser, genug zu Essen, keinen Krieg, haben eine gute medizinische Versorgung und unsere Kinder können zur Schule gehen. Dafür sollten wir alle sehr dankbar sein, denn all diese Dinge sind nicht selbstverständlich auf dieser Welt.

 

Wie viele Projekte unterstützt Ihre Stiftung inzwischen?

Aus den fünf Projekten während der Weltumrundung sind in den letzten 10 Jahren bereits 330 Schulen in 44 Ländern geworden, die meine Stiftung FLY & HELP gebaut hat.

  
Reiner Meutsch bei Hilfsprojekten in Brasilien und Indonesien

 

Wie viele Kinder konnten dank Ihrer Stiftung inzwischen eine Schule besuchen und einen Abschluss machen?

In unseren Schulen lernen derzeit 65.000 Kinder. Meine Stiftung unterstützt hauptsächlich Vor- und Grundschulgebäude.

 

Haben Sie auch Kontakt zu ehemaligen Schülern, können Sie den ein oder anderen Lebensweg verfolgen?

Wir arbeiten in den Ländern mit Projektpartnern zusammen, die oft ausgewählte Kinder bis zur Universität begleiten und ihnen Stipendien ermöglichen. In unserem neuen Buch „Abenteuer Kinderlachen – Vom Glück, lernen zu dürfen“, das gerade frisch erschienen ist, stellen wir 20 Kinder unserer Schulen vor und erzählen deren Geschichten.

Das Buch ist bestellbar unter www.buch-kinderlachen.de

 

Worauf legen Sie bei der Auswahl eines Projektes besonderen Wert?

Wir haben strenge Förderkriterien, die all unsere Projekte erfüllen müssen. Besonderen Wert legen wir zum Beispiel darauf, dass wir einen deutschen Projektpartner vor Ort haben, der für die korrekte Durchführung verantwortlich ist und ein ordentliches Controlling gewährleistet. Und außerdem ist uns die Nachhaltigkeit sehr wichtig. Die laufenden Kosten für den Betrieb müssen vom Staat übernommen werden. Oder wenn es kirchliche oder private Schulen sind, muss ein plausibles Nachhaltigkeitskonzept vorgelegt werden.

Ein Gremium prüft dann alle Projekte auf Förderwürdigkeit und Bedürftigkeit. Alle Spenden fließen 1:1 in die Projekte, denn alle Verwaltungskosten werden von mir privat oder von Sponsoren übernommen.

 

Was braucht es, um ein Projekt erfolgreich umsetzen, abgesehen von finanziellen Mitteln? Worauf kommt es Ihrer Meinung nach besonders an?

Man braucht vertrauenswürdige Partner vor Ort, die Erfahrung in den Ländern haben und persönlich die Umsetzung kontrollieren. Wir sind in 44 Ländern tätig und haben dort 79 Projektpartner-Organisationen. Unsere Partner haben Kontakte zu guten Bauunternehmern und den Regierungen. Das ist wichtig in Ländern, in denen oft Korruption noch an der Tagesordnung ist. Ich selbst schaue mir auch die Projekte oft vor Ort persönlich an oder fahre gemeinsam mit Spendern zu den Schuleröffnungen.

Reiner Meutsch beim Projekt vor Ort in Nyabimata, Afrika.

 

Die Leser unseres Blogs sind Finance-Experten, da drängt sich geradezu auch eine Frage nach dem Projektcontrolling auf. Können Sie uns kurze Stichworte geben, wie die Auswahlkriterien für Projekte aussehen, wie ein Controlling und Monitoring der Projekte stattfindet?

Wir erhalten für jedes Projekt vorab einen genauen Kostenvoranschlag zu dem Bauvorhaben inklusive Bauplänen. Da wir bereits 330 Schulprojekte umgesetzt haben, können wir sofort einschätzen, ob diese Kosten realistisch sind.

Die Bauunternehmen werden nach Baufortschritt in mehreren Raten bezahlt.

Am Ende erhalten wir von unseren Projektpartnern eine detaillierte Kostenübersicht und auch Kopien der wichtigsten Belege, um kontrollieren zu können, dass die Spende auch wirklich 1:1 in das Projekt geflossen ist.

 

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit vor Ort?

Die Gemeinden werden immer in das Projekt von Beginn an einbezogen. Das ist wichtig, damit sich die Dorfbewohner mit dem Schulbau auch identifizieren. Meist steuert die Gemeinde einen Eigenbeitrag dazu, z.B. die Stellung des Grundstücks und die ungelernten Arbeitskräfte. Die Arbeiter aus dem Dorf werden in dem Zuge auch von den gelernten Bauarbeitern angelernt, damit sie später Reparaturen selbst durchführen können.

Von den laufenden Bauarbeiten erhalten wir fortlaufend Foto-Berichte.

 

Gibt es auch Erlebnisse in der Arbeit vor Ort, die Sie frustrieren? Welche sind das – und wie gehen Sie damit um?

Es gibt Projekte, die sich durch bestimmte Umstände (Überschwemmungen, Unruhen, Lieferengpässe etc.) verzögern können. Meist gehen die Bauarbeiten zügig voran, aber teilweise braucht man auch Geduld und Verständnis, wenn sich Arbeiten verzögern.

Generell beunruhigt mich das starke Bevölkerungswachstum in den Ländern. Die Schülerzahlen steigen von Jahr zu Jahr an. Viele Klassen sind daher schnell schon wieder überfüllt.

Daher legen wir besonderen Wert darauf, dass auch Mädchen Bildung erhalten und ihren Lebenssinn nicht nur in der Anzahl ihrer Kinder sehen. Wir führen an den Schulen auch Workshops zu Hygiene und Verhütung durch. In vielen unserer Projektregionen sind 5-7 Kinder pro Familie der Durchschnitt.

 

Sie waren als Reiseunternehmer erfolgreich, haben den Reisedirektanbieter Berge & Meer zum Marktführer im Direktvertrieb von Reisen aufgebaut Was bedeutet heute Erfolg für Sie?

Ich bin froh, dass mein beruflicher Erfolg bei Berge & Meer mir heute ermöglicht, mein Leben der Stiftungsarbeit zu widmen. Es ist jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn wir einen neuen Spender gewinnen können, der eine Schule finanziert. Oder wenn wir eine neue Schule einweihen können.

Früher bedeutete Erfolg für mich, Umsatz und Gewinn zu machen. Heute weiß ich, dass es viel glücklicher macht, anderen eine Freude zu machen und Kindern eine Zukunft zu schenken.

 

Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt?

Wir haben schon wieder viele neue Projekte für 2020 in der Planung. Es werden mindestens 50 neue Schulen werden. Außerdem sind bereits zahlreiche Reisen geplant. Unser größtes Charity-Event ist die „Nacht des Deutschen Schlagers“ in der Dominikanischen Republik. Außerdem werde ich mit Spendern u.a. nach Namibia, Botswana, Tansania, Ruanda, Nigeria und Myanmar reisen.

 

Informationen zu den Projekten von Fly & Help finden Sie auf der Website: https://www.fly-and-help.de/ sowie Flyer