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April 2019

„Nachhaltigkeitsmanagement ist auch Risikomanagement“ 1024 680 C4B

„Nachhaltigkeitsmanagement ist auch Risikomanagement“

Warum Nachhaltigkeitsmanagement auch für den Mittelstand wichtig ist und weshalb die Lieferkette die Achillesferse sein kann, erklärt Joachim Schlange im Interview mit dem C4B Blog.

 

Herr Schlange, Sie sagen die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist für Unternehmen in den vergangenen deutlich stark gewachsen. Woran machen Sie das fest?
Das spiegelt sich allen Unternehmensbereichen wider: in den Kunden- und Lieferantenbeziehungen, im Rahmen der Gesetzgebung und insbesondere am Kapitalmarkt. Zu diesem Ergebnis kamen wir auch in unserer Studie, die wir Ende 2018 gemeinsam mit dem DIRK, dem Deutschen Investor Relations Verband und der DVFA, der Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management,gemacht haben. Sowohl Investor-Relations-Manager als auch Investoren vertreten einhellig die Ansicht, dass Nachhaltigkeit zu einer erkennbaren Wertsteigerung führt, die operative Effizienz erhöht und zu einer Reduzierung der Finanzierungskosten beitragen kann. Und nicht nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen, auch für den Mittelstand gilt: Nachhaltigkeit ist ein Imagefaktor. Verantwortlich und engagiert zieht bei Verbrauchern und Stakeholdern genauso wie bei potenziellen Bewerbern.

Die von Ihnen erwähnte Gesetzgebung betrifft doch aber nur kapitalmarktorientierte Unternehmen?
Ja, seit dem Geschäftsjahr 2017 sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem bestimmten Umsatz- bzw. Bilanzsumme verpflichtet, in ihrem Geschäftsbericht auf ihre Nachhaltigkeitsbemühungen einzugehen. Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) fordert die Offenlegung von Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, so zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Doch auch der Mittelstand ist mittelbar betroffen.

Was bedeutet das konkret?
Konkret bedeutet das beispielsweise, Lieferketten offenzulegen und Auswirkungen der Produktion auf Arbeiter und Umwelt darzulegen. Zwar sind damit vor allem Großunternehmen betroffen, aber die aktuell voranschreitenden gesetzlichen Verschärfungen haben durchaus auch eine Ausstrahlwirkung auf den Mittelstand. Schließlich sind mittelständische Unternehmen oftmals Zulieferer von Großkonzernen, die von ihren Partnerunternehmen eine Ausweitung der CSR-Informationen verlangen können. Nachweise und Daten rund um die CSR-Aktivitäten der Lieferanten werden häufig schon bei der Ausschreibung verlangt. Unternehmen ohne CSR-Berichterstattung sind damit automatisch schlechter gestellt gegenüber Konkurrenten, die ihr Nachhaltigkeitsmanagement bereits transparent machen. Hinzu kommt der NAP, der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, der Ende Dezember 2016 verabschiedet wurde. Er ist zwar noch keine gesetzliche Pflicht. Aber ob gesetzlich verpflichtend oder nicht, alle Experten sind sich einig, dass der NAP mittelfristig dazu führen wird, dass die spezifischen Anforderungen entlang der Lieferkette zunehmen werden.

Was genau ist im NAP festgelegt?
Der NAP hat die Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte zum Ziel. Er setzt die Zielvorgabe, dass im Jahr 2020 mindestens die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Beschäftigten die Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht in ihre Unternehmensprozesse integriert hat. Das sind insgesamt rund 7.000 Unternehmen. Bis dahin wird in drei Erhebungsphasen überprüft, ob und in welchem Rahmen Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Ab 2020 entscheidet die Bundesregierung auf dieser Grundlage, ob der NAP in ein verbindliches Gesetz überführt wird.

Scheuen mittelständische Unternehmen Ihrer Erfahrung nach den Aufwand, sich mit dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung zu befassen?
Viele Unternehmen engagieren sich bereits und es gibt durchaus auch qualitative Nachhaltigkeits-Berichterstattung. Aber die Zeiten, in denen es ausreichte, rein über das „was“ zu berichten, sind längst vorbei. Es geht um das „wie“ – und da empfinde ich den Mittelstand noch als eher verhalten. Unternehmen sollten die Nachhaltigkeitsberichterstattung als Chance begreifen. Abgesehen von den zahlreichen Vorteilen, die sich durch CSR langfristig erschließen lassen, wie zum Beispiel die Erhöhung der Mitarbeitermotivation, Anwerben neuer Talente, Kosteneinsparungen, Ausbau des Kundenstamms etc., kann die Missachtung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit personellen und produktionsnotwendigen Ressourcen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen langfristig schädigen und ihre Marktposition schwächen. Mit einer ausgereiften Nachhaltigkeitsstrategie lassen sich zahlreiche Nutzenwerte erschließen, die langfristig die Ausgaben für Nachhaltigkeitsbemühungen übersteigen werden.

Sie haben ja bereits die Studie erwähnt, die gemacht haben. Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Studie gewinnen?
Unsere Befragung gemeinsam mit dem DIRK und der DVFA, die wir im September 2018 unter Investor Relations Managern, institutionellen Anlegern und ESG-Ratingagenturen in Deutschland durchgeführt haben, hatte zum Ziel, die Bedeutung des Nachhaltigkeitsthemas aus Sicht von Unternehmen und Anlegern in Erfahrung zu bringen. Auch die Qualität und der Nutzen von ESG-Ratingagenturen beziehungsweise ihren Ergebnissen wurde erhoben. Eine zentrale Erkenntnis aus unserer Untersuchung ist, dass angesichts der zunehmenden Bedeutung von ESG in den Kapitalmärkten die Empfehlung an Unternehmen nur sein kann, sich deutlich stärker in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit zu engagieren. Dies gilt nicht nur für die Unternehmensausrichtung, sondern auch für eine transparente und detaillierte Kommunikation.

Worauf sollten Unternehmen in der CSR-Berichterstattung achten?
Mit einem möglichst schlanken Bericht, der die Steuerung der wesentlichen Themen beschreibt, können Fragen der Kunden und anderer wichtiger Stakeholder zu relevanten Nachhaltigkeitsthemen zentral beantworten werden. Der Bericht muss transparent und belastbar sein, die für die Industrie und das Unternehmen wesentlichen Themen aufzeigen und kritische KPIs überprüfbar darstellen. Wenn das gut gemacht ist, dann haben Unternehmen nur Vorteile davon. So können auch Fortschritte bei der Produktqualität, der Verminderung von CO2-Emissionen, der Mitarbeiterzufriedenheit oder der Einhaltung von Standards in Lieferketten beschrieben werden. Für das Management hat der Bericht auch Vorteile, denn es kann so einen besseren Überblick über die Unternehmensleistung und die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit gewinnen. Die Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitsthemen, das heißt das Ableiten von Handlungsbedarf, Zielen und Maßnahmen, sowie deren systematische Steuerung tragen letztlich dazu bei, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Ich bin davon überzeugt: Nachhaltigkeit wird immer stärker zum Wettbewerbsfaktor und die glaubwürdige Berichterstattung über die Nachhaltigkeits-Strategie und -Leistung bietet Unternehmen Chancen im Wettstreit um neue Mitarbeiter, Investoren, Lieferanten und nicht zuletzt die Kunden.
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Über Joachim Schlange

Joachim Schlange ist Mitgründer und Sprecher der Geschäftsleitung von Schlange & Co. GmbH sowie Präsident von S&C North America Inc. S&C begleitet Unternehmen bei der strategischen und organisatorischen Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und CR sowie bei der operativen Umsetzung. Das Leistungsspektrum reicht von der Verankerung von Nachhaltigkeit in der Lieferkette, über die fachgerechte Kennzahlendefinition und die glaubwürdige Berichterstattung bis hin zur Auswahl und Implementierung von CR-Software sowie Schulungen. S&C arbeitet im Auftrag von multinationalen Konzernen und mittelständischen Unternehmen unterschiedlichster Branchen, aber auch für staatliche und Non-Profit Organisationen aus dem In- und Ausland. https://www.schlange-co.com/

„Ich bin ein Zahlenmensch“ – Ein Interview mit Denis Glowicki 960 640 C4B

„Ich bin ein Zahlenmensch“ – Ein Interview mit Denis Glowicki

Er ist immer in Bewegung – beruflich wie privat. Der leidenschaftliche Zahlenmensch Denis Glowicki findet als Leiter Finanzen bei der Wicke GmbH + Co. KG die beruflichen Herausforderungen, die er immer gesucht hat. Privat fordert sich der Familienvater beim Crossbike-Fahren.

Sein Tag dürfte einfach ein paar Stunden mehr haben. Denis Glowicki hat einen prall gefüllten Arbeitstag, zusätzlich engagiert sich der Familienvater als Experte bei Finance-Projekten und absolviert überdies noch anspruchsvolle Radtouren mit seinem Crossbike. Dinge in Bewegung zu bringen – das motiviert Denis Glowicki. Wie passend, dass der Manager für ein Unternehmen tätig ist, dass ebenfalls für Bewegung sorgt. Die Wicke GmbH + Co. KG aus Sprockhövel im südlichen Ruhrgebiet ist einer der weltweit führenden Hersteller industrieller Räder und Rollen. Der 44-Jährige, der seit Januar 2019 Mitglied der Geschäftsleitung des mittelständischen Unternehmens ist, liebt seine anspruchsvolle Aufgabe. „Wir haben Produkte zum Anfassen. Wenn ich das anfassen kann, für das ich arbeite, dann weiß ich auch, wofür ich mich engagiere“, sagt er. Glowicki geht gern in die Produktion von Wicke, dort wo geschweißt und geschmiedet, gespritzt und gegossen wird. Regelmäßig nimmt er Einblick in die Produktion, denn konventionelles Drehen hat er während seiner Schulzeit auch mal gelernt. Dabei sind es eigentlich die Zahlen, die ihn schon seit seiner Jugend faszinieren.

Zahlen wurden ihm in die Wiege gelegt
Schon als Schüler ist Denis Glowicki klar, dass er einmal mit Zahlen arbeiten möchte. Die Affinität dafür wird ihm bereits in die Wiege gelegt, seine Mutter ist Bankkauffrau. „Ich bin einfach ein Zahlenmensch. Zunächst habe ich überlegt, eine Ausbildung zum Statiker zu machen, doch dann wurde es der Finanzbereich“, sagt Glowicki. Er beginnt ein Fachhochschulstudium im Finanzamt im Bereich Bilanzierung und Steuerrecht und arbeitet als Prüfer im Außendienst. Doch das reicht ihm nicht. Gerade die Beamtenurkunde in der Hand, wechselt er mit 27 Jahren kurzerhand in eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Wuppertal. Zu diesem Zeitpunkt ist Glowicki der jüngste Steuerberater Nordrhein-Westfalens. Die neue Aufgabe bietet ihm ganz andere Perspektiven auf Bilanzen und Steuern. „Vor allem musste ich die reine Prüfersicht ablegen und wirtschaftlich denken“, sagt der Manager.

Angekommen im Wunschberuf
Die abwechslungsreiche Tätigkeit in der Beratung liegt ihm, er schätzt vor allem die Erfahrungen, die er mit den Mandaten sammelt. Für sechs Jahre lebt er vor allem aus dem Koffer. Doch das unruhige Leben wird ihm irgendwann zu viel. Denis Glowicki und seine Frau erwarten ein Baby. „Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und auch gerne internationaler arbeiten.“ Kurz vor dem Wechsel in ein internationales Medienunternehmen wird er auf die Aufgabe bei Wicke aufmerksam. Das Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern am Hauptsitz in Sprockhövel unterhält weitere Fertigungsstätten in der Tschechischen Republik und der Volksrepublik China. Zudem gibt es weltweit operative Service-, Montage- und Distributionszentren. Bei seinem Wechsel als Leiter Finanzen, Rechnungswesen und Steuern in das Unternehmen ist Denis Glowicki 34 Jahre alt. In seinen mehr als zehn Jahren Unternehmenszugehörigkeit übernimmt er für eine Zeit lang auch die HR-Abteilung. Seit Januar 2019 ist Glowicki Mitglied der Geschäftsleitung, seine Aufgabe konzentriert sich auf den Bereich Group-Controlling und -reporting. 2012 führt er bei Wicke ein BI-Tool ein, um wiederkehrende Aufgaben und Auswertungen damit zu automatisieren. Die meisten Skripte und Dashboards erstellt er nach wie vor selbst. „Der Umsatz unseres Unternehmens hat sich seit meinem Einstieg vor zehn Jahren verdreifacht. Dazu mussten auch die Strukturen mitwachsen – und diesen Prozess zu begleiten erfüllt mich sehr“, sagt Glowicki.

Keine Angst vor Fehlern
„Fast jeden Tag stehe ich vor neuen Herausforderungen, das treibt mich an. Man lernt nie aus und darf keine Angst vor Fehlern haben“, sagt der Manager. Das Finanzwesen kennt Denis Glowicki aus unterschiedlichen Perspektiven. Bei Wicke ist der Manager beruflich angekommen, wie er selbst sagt. Das Thema Prozesse findet er besonders spannend und engagiert sich deshalb auch als Experte bei den C4B Manuals, einer Arbeitshilfe für eine schematische Prozessdokumentation. Sie ermöglicht Unternehmen, ihre IST-Prozesse mit den vorgelegten Musterprozessen zu vergleichen und einfach auf die Situation im Unternehmen zu übertragen. „Im Finance-Bereich liegen noch unheimlich große Einsparpotenziale, das können auch gerne einmal bis zu 95 Prozent sein“, sagt Denis Glowicki. „Doch viele Unternehmen haben diese noch nicht gehoben. Vielfach, so meine Einschätzung, weil sie gar nicht wissen, wie sie es anfangen sollen“, so der Finance-Manager. „Es geht schon damit los, dass die Begriffe Digitalisierung und Automatisierung in einen Topf geworfen werden. Aber da gibt es einen großen Unterschied, denn: Nur das, was digitalisiert ist, kann auch automatisiert werden. Beispielsweise können nur digital erfasste Belege automatisiert bearbeitet werden“, erklärt Glowicki. Er ergänzt: „Die meisten Unternehmen werden es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, Mitarbeiter als ‘humanoide Datentransporteure’ oder ‘Analog-Digital-Datenumwandler’ zu beschäftigen. Das ist für mich der Kernpunkt der Automatisierung im administrativen Unternehmensbereich.” Um sich in Richtung Digitalisierung aufmachen zu können, sei es aber zunächst erforderlich, dass man als Unternehmen seine Prozesse kennt – und sie sauber dokumentiert. „Um das Thema Prozess- beziehungsweise Verfahrensdokumentation kommen Unternehmen aufgrund der GoBD sowieso nicht herum“, sagt Glowicki. Um Schnittstellen zu programmieren, müsse man wissen, woher die Daten kommen, was mit ihnen gemacht wird und wofür die Daten verwendet werden. „Bei uns im Unternehmen kommen die meisten Verbesserungsvorschläge von den Auszubildenden, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Sie durchlaufen einmal alle Abteilungen im Unternehmen und lernen dadurch die Schnittstellen zwischen den Abteilungen kennen. Nur wenn man diese Schnittstellen kennt, kann man auch etwas verbessern.“

Risikovermeidung mittels Künstlicher Intelligenz 960 640 C4B

Risikovermeidung mittels Künstlicher Intelligenz

Risikobehaftete Entscheidungen sind Teil jeder Geschäftstätigkeit. Angesichts des wachsenden Datenreichtums eines jeden Unternehmens stellt sich mehr denn je die Frage, ob hier im Bezug auf Entscheidungssicherheit nicht eine spürbare Verbesserung auftreten müsste. Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) stellen dabei einen neuen, ergänzenden Ansatz dar, um die Lücke zwischen Datenreichtum, Entscheidungssicherheit und vermiedenem Risiko zu schließen.

Initiativen zur besseren Nutzung von Daten mittels KI befinden sich in Unternehmen aktuell in unterschiedlichen Implementierungsstadien. Bei laufenden Bemühungen sollte hier stets deren Ziel berücksichtigt werden: Die gesammelten Daten sollen letztendlich bessere geschäftliche Entscheidungen ermöglichen, sowohl operativ als auch strategisch. Die sich im Einzelnen ergeben Mehrwerte aus datengetriebenen Entscheidungen lassen sich je nach Entscheidungsbereich wie folgt zusammenfassen:

Bei der Realisierung dieser Mehrwerte müssen Hindernisse in den drei in Abbildung 1 dargestellten Schritten der Datenwertschöpfungskette überwunden werden: Es gilt sicherzustellen, dass Daten korrekt und ausreichend erfasst und den richtigen Mitarbeitern im Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Darauf folgt die Analyse, also das Extrahieren von konkretem Wissen aus den Daten. Dieses Wissen wiederum erlaubt es, Entscheidungen zu treffen und Risiken zu vermeiden.

 

In der Praxis verbringen Mitarbeiter aktuell aufgrund der sich oft erst im Aufbau befindlichen Dateninfrastruktur bis zu 80% ihrer Zeit damit, Daten für spezifische Analysefragen zu identifizieren und für die Analyse vorzubereiten. Das Volumen datengetriebener Entscheidungen, das Entscheidungsträger erreicht, stellt daher nur einen Bruchteil des Volumens einer vollständig integrierten Datenwertschöpfungskette dar. Die eigentlichen Herausforderungen eines datengetriebenen Betriebes an die Entscheidungs- und Managementkultur sind folglich noch nicht bekannt, da dieser letzte Schritt des Prozesses aktuell weit unter seiner Zielkapazität arbeitet.

Während sich die Datenwertschöpfungskette in einem Unternehmen noch etabliert, kann eine zukunftsorientierte Finanzfunktion im Bezug auf den zielführenden Einsatz von KI zur Risikovermeidung bereits jetzt folgende Fragen stellen:

  1. Welche internen Datenquellen stellen ein hohes Risiko dar, wenn zuvor unbekannte Muster oder Anomalien übersehen werden? Welche externen Datenquellen?
  2. Nach welchen Mustern, Anomalien und Risikoindikatoren sollte in den Daten gezielt gesucht werden? Mit welchem KI-gestützten Prozess werden neue Anomalien gegenüber bekannten Mustern identifiziert und priorisiert?
  3. Wer oder welche Rolle erhält Benachrichtigungen darüber, falls neue Anomalien und Risikoindikatoren von der KI automatisch erkannt wurden?

Bei der unternehmensspezifischen Beantwortung insbesondere der dritten Fragen wird schnell klar, dass KI bereits vorhandene Rollen eher ergänzt als ersetzt. Dies verhält sich nicht zuletzt so, weil auch in einer KI-gestützten Verarbeitung von Daten nach wie vor die Notwendigkeit besteht, die identifizierten Risikoindikatoren zu kontextualisieren und zu priorisieren. Wichtiger noch als die Frage, ob die von einer KI erkannten Anomalien treffsicherer sind als die Ergebnisse eines Teams menschlicher Analysten, ist die Frage, wie sich Entscheidungsprozesse ändern, wenn sich Anomalien und Risikoindikatoren innerhalb wenigen Minuten vollautomatisch ohne zusätzliche Kosten erkennen lassen.

Im Hinblick auf die drei Schritte in datengetriebenen Entscheidungsprozessen entlang der Wertschöpfungskette wird sich durch KI-gestützte Automatisierung der Engpass vom Analyseschritt zum Entscheidungsschritt verlagern. Entscheider werden also in der verfügbaren Zeit mehr Entscheidungen treffen müssen. Während beispielsweise angesichts aktueller Analyse- und Planungsprozesse einmal pro Jahr strategisch geplant und gesteuert wird, stehen zukünftig aktuelle Risikoindikatoren und entsprechende Steuernotwendigkeiten unterjährig zur Verfügung. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Agilität eines Unternehmens.

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Zum Autor:

Dr. Georg Wittenburg ist Geschäftsführer der Inspirient GmbH. Inspirient automatisiert mit Methoden aus der Künstlichen Intelligenz datengetriebene Unternehmensprozesse mit einem besonderen Schwerpunkt auf effizienter Datenanalytik und pragmatischer Entscheidungsunterstützung bzw. -automatisierung.

Der in diesem Text zusammengefasste Gedankengang wird im Artikel „Wissen ist Macht“ in der Ausgabe 1/2019 der Fachzeitschrift Rethinking Finance weiter ausgeführt.