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August 2018

„Blockchain hat das Potenzial, global Institutionen zu ersetzen“ 150 150 C4B

„Blockchain hat das Potenzial, global Institutionen zu ersetzen“

Interview mit Henrik von Haslingen – Teil 2
Die Blockchain-Technologie sorgt für Gesprächsstoff über Industriegrenzen hinweg. Im zweiten Teil des Interviews mit Henrik von Haslingen geht es um das Potenzial von Blockchain und auch die Herausforderungen, die Technologie mit sich bringt.

Wie genau unterscheiden sich zentrale und dezentrale Journalführung?
Als Distributed Ledger (DL) oder Verteiltes Kontenbuch wird im Allgemeinen eine verteilte Datenbank bezeichnet, die durch unterschiedlichen Lösungsansätzen dafür verwenden identische Einträge in den unterschiedlichen und verteilten Datenbanken sicherzustellt. Das ist der Hauptunterschied der DLT zu gewöhnlichen Datenbanken, bei denen Daten auf zentralen Servern gespeichert werden, die von einer administrativen Autorität, z.B. eine Bank oder Facebook, verwaltet werden. DLT stellt das technologische Rahmengerüst für die Speicherung von Einträgen – ohne dass jemanden einzelnen diese Speicherung beeinflussen kann. Eine falsche Transaktion bei der Bank kann rückgängig gemacht werden, die Eintragung wird durch eine Gegentransaktion korrigiert. Bei einer falschen Transaktion mit z.B. Bitcoin gibt es keine Hilfe, noch kann die Transaktion Rückgängig gemacht werden, denn es gibt keinen, der für das System „zuständig“ ist.

Nun gibt es ja auch private und öffentliche Blockchain oder DLT. Können Sie uns den Unterschied erklären?
In der Tat, es gibt Hybridlösungen, die die Vorteile zentrale Steuerung und dezentrale Speicherung nutzen, sogenannte private Blockchain oder private DLT. Sowohl die private als auch die öffentliche DLT nutzen die Vorteile der distribuierten Datenbanken, indem jeder Eintragungen auslösen kann. Der Unterschied liegt darin, wie die Einigkeit über die Ordnung und Gültigkeit der Eintragungen entstehen. Die öffentlichen müssen auf aufwendige Mechanismen oder Verfahren, wie z.B. das sogenannte „Proof of Work“, vertrauen – ein Verfahren, das zu vergleichen ist mit dem Finden der Nadel im Heuhaufen. Nur wer die Nadel gefunden hat, kann den nächsten Block oder Gruppe gültige Eintragungen vorschlagen und alle anderen Teilnehmer in dem System haben diese mit in ihren Datenbanken zu verzeichnen. Beide den privaten DLTs herrscht Einigkeit über ein gegenseitiges Vertrauen und ein aufwändiger Einigungsmechanismus ist somit nicht erforderlich.

Sie sagten eingangs, dass Blockchain mit Bitcoin erfunden wurde, wie hat sich die Technologie seitdem entwickelt?
Die wohl entscheidendste Weiterentwicklung ist die Erweiterung der Scriptsprachen in Kombination mit der Möglichkeit, Programme anstelle der reinen Journalführung über Transaktionen zu implementieren. Dieses ermöglichte in 2013 mit Ethereum die Möglichkeit, Programme auf dem Blockchain zu schaffen, die mittels Transaktionen an Konten ausgeführt werden. Mit derartige Plattformen, und in zwischen gibt es zahlreiche, kann ganze Geschäftsprozesse abbildet werden. Wenn wir uns Geschäftsprozesse als Verträge unter Akteuren vorstellen, lassen sich diese in Programmen, sogenannten Smart Contracts, abbilden und automatisch, z.B. durch Abfragen verifizierbare Daten, abwickeln. So können beispielsweise Transaktionen durch Smart Contracts automatisch durchgeführt werden, sobald die dafür festgelegten Bedingungen erfüllt sind – im Grunde folgen Smart Contracts also einem „Wenn – Dann“-Prinzip“. Die Ausführung von Smart Contracts hängt vom Eintreffen der Variablen in die Blockchain ab, die in den Bedingungen für die Ausführung festgelegt sind. Das kann zum Beispiel das Eintreffen einer Zahlung oder das Erreichen eines Fälligkeitsdatums sein. Meist handelt es sich um eines oder mehrere externe Ereignisse. Diese verifizierbaren Daten werden von Quellen, sogenannten Oracles, wie Flugzeiten, Wetterzustände, aber auch durch z.B. Sensoren oder Ortungsinformationen, abgreifbar und können so als Auslöser oder Schalter in Smart Contracts dienen. Eine Wetterversicherung für einen Landwirt könnte so z.B. auf einem Blockchain automatisch abgewickelt werden: hat es an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt geregnet oder nicht. Ob diese Möglichkeit allerdings nun ausreichend ist, ein derartigen Geschäftsprozess beziehungsweise Geschäftsmodelle zu verändern, liegt an den Akteuren und deren Neigung Risiken einzugehen, das heißt auf Intermediäre wie derzeitige Versicherungen zu verzichten. Weitere Entwicklungen liegen in der Skalierbarkeit der Systeme, das heißt wie schnell Transaktionen abgewickelt werden können. Hier gibt es bereits Alternativen zu Blockchain, sogenannte DAG-Systeme (DAG steht für Direct Acyclic Graph), die eine wesentlich höhere Skalierbarkeit bieten. Ein Beispiel ist die in Deutschland entwickelte Plattform IOTA, mit dem im Bereich IoT und der Automobilindustrie schon experimentiert wird.

Worin bestehen die Herausforderungen der Blockchain-Technologie beziehungsweise DLT?
DLT wurde erfunden und wird nicht verschwinden. In welchem Maße diese Verwendung findet, hängt von vielen Faktoren ab. Eine Herausforderung im öffentlichen Bereich ist heute, wie oben beschrieben, dass viel Know-How von dem Anwender gefordert wird, d.h. das Transaktionsrisiko geht zu 100 Prozent auf den Transferierenden über. Hier stellt sich die Frage, ob diese Risikobereitschaft verbreitet vorhanden ist oder sich entwickeln kann, oder ob die Technologie zur Minimierung dieser Risiken entwickelt werden kann. Desweiteren wird die Technologie bei vielen Instanzen als Zukunftstechnologie gesehen, aber zugleich wird die Umsetzung, z.B. als Kryptowährung, mit viel Skepsis betrachtet und unter dem Vorwand, Marktteilnehmer zu schützen, werden Regularien oder gar Verbote eingeführt. Die Möglichkeit, Projekte über das sogenannte Initial Coin Offering (ICO) zu finanzieren, wurde vielerorts verboten. Diese regulativen Maßnahmen werden von vielen aus der Szene als hemmend eingestuft, von anderen aber als notwendig für das Vertrauen in der Technologie gesehen.

Die meist entscheidende Frage oder Herausforderung und zugleich die schwierigste ist, in wie weit lassen sich Geschäftsmodelle, die grundsätzlich auf Zentralisierung bauen, dezentral abbilden?

„Blockchain hat das Potenzial, global Institutionen zu ersetzen“ 150 150 C4B

„Blockchain hat das Potenzial, global Institutionen zu ersetzen“

Interview mit Henrik von Haslingen – Teil 1
Die Blockchain-Technologie sorgt für Gesprächsstoff über Industriegrenzen hinweg. Gerade im Finanzsektor findet sie immer häufiger statt. Auf unserem Blog haben wir bereits „Fünf Fakten über Blockchain, die Controller kennen müssen“ vorgestellt. Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich Henrik von Haslingen, intensiv mit Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie. 2017 hat er unter anderem an der University of Nicosia ein Seminar zum Thema Cryptocurrency/Blockchain, MOOC belegt. Für den C4B Blog haben wir Henrik von Haslingen zur Blockchain-Technologie interviewt.

Herr von Haslingen, wie sind Sie auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden?
Ich habe mich in der Vergangenheit viel und gerne mit ökonomischen Theorien beschäftigt. Dabei bevorzugte ich immer die Ansätze, die in Richtung liberales Denken gingen und freie, offene Märkte postulierten. Zentralisierten Planungen begegnete ich dadurch auch immer eher skeptisch. Die im Laufe der Jahre aufkommenden virtuellen Währungen oder sogenannten Internetwährungen habe ich zunächst ebenfalls mit Vorsicht betrachtet. Doch als das Thema Bitcoin immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geriet, wurde ich hellhörig. Bitcoin, die heute nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung, wurde 2009 geschaffen. Die Innovation war das, was wir heute als Blockchain bezeichnen. Die Kryptowährung bot erstmalig eine Lösung für das sogenannte Vermehrte-Ausgaben-Problem (Double-Spend Problem). Im Frühjahr 2017 habe ich dann begonnen, mich intensiver mit Kryptowährungen, unter anderem Bitcoin, und der dahinter liegenden technologischen Grundlage, der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zu befassen. Die Blockchain, eine der grundlegenden Technologien für Kryptowährungen wie den Bitcoin, ist eine der bekanntesten Distributed-Ledger-Technologien.

Was fasziniert Sie an der DLT beziehungsweise Blockchain-Technologie?
Mich fasziniert die Möglichkeit, dezentral und virtuell Werte weiterzugeben, die Möglichkeit, unabhängig von einer zentralen Einheit wirtschaftliche Aktivitäten zu koordinieren. Blockchain ist „trustless“, das heißt der Mechanismus erzeugt Einigkeit, Consensus ohne Vertrauen. – und dies durch einige Lösungen zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten. Mit der Blockchain-Technologie wurde ein Lösungsansatz gefunden, der es erstmals ermöglicht, manipulationssicher und damit zweifelsfrei Daten zu Identität, Eigentum, Verifizierung oder Wertetransfer fälschungssicher digital abzubilden. Und damit das Potenzial hat, Institutionen global zu ersetzen.

Die Blockchain-Technologie beziehungsweise DLT wird vielfach als die nächste Revolution nach dem Internet bezeichnet. Halten Sie diesen Hype für berechtigt?
Die Präsidentin und CEO von IBM, Ginni Rometty, sagte einmal: „Blockchain could do for transaction what the Internet did for communication.“ Ich glaube zwar, dass DLT unsere gesellschaftlichen Strukturen in vielerlei Hinsicht verändern wird, aber in anderer Art und Weise als es das Internet gemacht hat. Internet ermöglicht Zentralisierung, DLT wirkt entgegengesetzt für Dezentralisierung und ermöglicht Unabhängigkeit von intermediäre, wie Banken, Versicherungen und andere Institutionen, die bislang Garanten für eine vertrauenswürdige Geschäftsabwicklung sind.

Das Internet hat ja die Kommunikation insgesamt sehr verändert und führte letztlich dazu, dass jedes Unternehmen heutzutage zumindest mit einer Website im Internet präsent sein muss, Im Gegensatz dazu glaube ich allerdings nicht, dass ein Blockchain für jedes Unternehmen Sinn macht. Vorteile werden diejenigen allerdings sicherlich haben, die diese Technologie – und hier meine ich befindliche Systeme und Plattformen – für ihre externen Transaktionen nutzen können. Der Vorteil, die Unabhängigkeit von einer zentralen Instanz, ist nicht für jedes Geschäftsmodell, etwa des eines Friseurs oder eines Bäckers sinnvoll oder notwendig. Allerdings geht es auch bei diesen Unternehmern darum, sich auf Umweltveränderungen einzustellen, z.B. eine Kryptowährung in Zahlung zu nehmen, oder einen Preis für Vertrauen zu benennen

Welche Anwendungen sind mit der Technologie Ihrer Ansicht nach sinnvoll oder denkbar für Unternehmen?
Überall, wo Netzwerke mit vielen verschiedenen Partnern vorhanden sind, bietet die Blockchain-Technologie sinnvolle Möglichkeiten zur effizientere Zusammenarbeit. Sie kann dabei ähnlich wie ein gemeinsames Kassenbuch funktionieren, ein sogenanntes Shared Ledger, und gemeinsame, unveränderbare Aufzeichnung aller Transaktionen ermöglichen, die innerhalb dieses Netzwerkes stattfinden. Den jeweils berechtigten Partnern gestattet sie den Zugriff auf die vertrauenswürdigen Daten in Echtzeit. Die Supply Chain ist ein gutes Beispiel, in der diese Technologie Sinn ergibt. Sie erlaubt, dass die unterschiedlichen Handelspartner eine von allen verabschiedete, gemeinsame Sicht auf die Transaktion bekommen, bei der darüber hinaus die Vertrauenswürdigkeit und der Datenschutz sichergestellt sind.

Können Sie uns Praxisbeispiele nennen?
IBM hat beispielsweise in Kooperation mit Maersk, weltweit führend im Bereich Container-Logistik, ein Blockchain-Werkzeug entwickelt, mit dem jeder Beteiligte an einer Lieferkette den Fortschritt einer Lieferung sehen kann, darunter auch, wo sich ein Container befindet und wie der Status der Dokumente dazu ist. Die Hoffnung dabei: Logistiker müssen weniger Schreibarbeit leisten, und Zollbehörden und Kunden wissen jederzeit, wo die Ware ist. Eine derartige Kooperation gibt es auch zwischen IBM und großen Playern der Nahrungsmittelindustrie wie Nestlé, Unilever und Walmart. Ziel der Zusammenarbeit in der Nahrungsmittelbranche ist es, die Rückverfolgbarkeit von Produkten zu erhöhen oder zu erleichtern. Das soll einerseits dazu beitragen, dass eventuell erforderliche Rückrufaktionen von Nahrungsmitteln schneller abgewickelt werden können, andererseits aber auch den durch solche Aktionen entstehenden Schaden begrenzen, indem die verunreinigten und daher zu vernichtenden Chargen genauer bestimmt werden können. Beispiele für den Öffentlichen Sektor gibt es auch. So hat beispielsweise Georgien im April 2017 in Zusammenarbeit mit der Firma Bitfury bereits mit der Registrierung von Grundbesitz in einer Blockchain begonnen.

Ende der Woche veröffentlichen wir den zweiten Teil des Interviews mit Henrik von Haslingen. Dort geht es u.a. um das Potenzial von Blockchain und auch die Herausforderungen, die Technologie mit sich bringt.

Excel-Tipp: Filter in Pivot-Tabellen mit Datenschnitt sichtbar machen 150 150 C4B

Excel-Tipp: Filter in Pivot-Tabellen mit Datenschnitt sichtbar machen

Kennen Sie das? Sie möchten lange Datenlisten zum einen übersichtlich gestalten und zum anderen mit den Daten rechnen. Dazu eigenen sich sehr gut Pivot-Tabellen, da diese die Filter- und Rechenfunktion wunderbar kombinieren. Der Nachteil ist, dass beim Filtern nach mehr als einem Element für den Betrachter nicht mehr ersichtlich wird, nach was die Pivot-Tabelle gefiltert wurde. Im Filter steht lediglich „mehrere Elemente“. Wie Sie mit dem Analysewerkzeug „Datenschnitt“ Ihre Pivot-Tabellen filterbar und die ausgewählten Filter sichtbar machen, zeigt Ihnen der heutige Excel-Tipp.

Sichtbarmachen von Filtern mittels „Datenschnitt“
Um die Funktion Datenschnitt zu nutzen klicken Sie an eine beliebige Stelle in Ihrer bereits eingefügten Pivot-Tabelle. Nun erscheinen in der Reiterleiste die sogenannten PIVOTTABLETOOLS. Dort wählen Sie im Reiter ANALYSIEREN / im Bereich Filtern Datenschnitt einfügen. Nun bekommen Sie das Auswahlmenü „Datenschnitt auswählen“ angezeigt und können jedes Element das Sie als Filter sichtbar machen möchten, durch setzen eines Häkchens auswählen:

Das sieht bei mir anders aus.

Und wenn ich dort auf Einfügen à Filter à Datenschnitt klicke, kommt das folgende Fenster.
Sie müssen erst in die Pivottabelle klicken und dann über Pivotable Tools /Analysieren/Datenschnitt einfügen. Sie haben nicht in die Pivotabelle geklickt, daher erscheint bei Ihrer Variante, die auch möglich ist das folgende Feld.

Durch Drücken der OK Buttons erscheinen die ausgewählten Filter neben Ihrer Pivot-Tabelle. Nun können Sie durch Anklicken der gewünschten Jahre oder Kunden Ihre Tabelle filtern.

Nach mehreren Elementen im Datenschnitt filtern
Wenn Sie mehrere Elemente/Parameter im Datenschnitt auswählen möchten ist dies durch gleichzeitiges Drücken der STRG-Taste während der Auswahl möglich. Der Empfänger kann nun sofort sehen, nach welchen Elementen die Tabelle gefiltert wurde, da diese farbig (blau) hinterlegt werden. Die ausgewählten Filter in den einzelnen Datenschnitten können durch Drücken des „Filter-Löschen-Buttons“ oben rechts im Datenschnitt-Feld wieder aufgehoben werden.

Autor: Ralf Greiner